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Was Fürstin Gloria und Bürger Klaus gemeinsam haben

 

Die "Army of God" ist im Vormarsch. Die selbsternannten LebensrechtlerInnen hetzen weltweit Frauen, die abtreiben, und ÄrztInnen, die ihnen zur Seite stehen. Und sie sind so gut organisiert und hemmungslos wie die Mafia.


Zwischen der Eulenspiegelstadt Mölln und der Winzerstadt Weinheim an der Bergstraße liegen 570 Kilometer. Und doch war der christlich-fundamentalistischen Initiative Nie Wieder auf ihrem Feldzug "für das ungeborene Leben" der Weg nach Schleswig-Holstein nicht zu weit. Mitte September warnten die LebensschützerInnen aus Baden-Württemberg auf Flugblättern, die sie in der Möllner Fußgängerzone verteilten: "In der Praxis von Dr. X werden rechtswidrige Abtreibungen durchgeführt." (Der Frauenarzt hat EMMA gebeten, seinen Namen zu verschweigen, da er um seinen guten Ruf bangt.) Dr. X also weiß von mindestens "fünf weiteren Kollegen im Raum Lübeck", die von den bundesweit agierenden KreuzzüglerInnen attackiert wurden.

Dass die Angst der Ärzte vor Rufschädigung begründet ist, wurde im Mai vom Oberlandesgericht in Stuttgart bestätigt. Der Angeklagte Klaus Günter Annen aus Weinheim, Chef der Initiative Nie Wieder, ist so ein Rufschädiger, der für seine Hetzschriften gegen einen Gynäkologen aus Heilbronn das "Recht auf freie Meinungsäußerung" beanspruchte. Vergeblich. Das Oberlandesgericht wies das Ansinnen zurück. Annen hätte auf seinen Flugblättern und Plakaten wenigstens erwähnen müssen, dass Abtreibungen nach der geltenden Gesetzeslage in Deutschland zwar rechtswidrig sind, aber trotzdem straffrei. Auf dem Mitte September in Mölln von Annen verteilten Flugblatt steht unter der dicken Überschrift "Rechtswidrige Abtreibungen" unauffällig klein gedruckt: "Arzt und Mutter werden für die rechtswidrige Tat nicht bestraft. Der Beratungsschein schützt sie vor Strafverfolgung, aber nicht vor der Verantwortung vor Gott!"

Auf Annens blutrünstiger Homepage Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.babycaust.de werden in Wort und Bild die angeblich zwölf Millionen Embryonen, die seit 1945 in Deutschland abgetrieben worden sein sollen, zwei zu eins mit den sechs Millionen Holocaust-Opfern vor 1945 verglichen. Den demagogischen Begriff "babycaust" hat der eifernde Lebensschützer aus Weinheim von dem (im Juli 2000 gestorbenen) katholischen Erzbischof Dyba übernommen, der, ganz wie der Vatikan, abtreibende Frauen immer wieder mit Mörderinnen und Nazi-Massenmördern gleichsetzt.

Die römische Kurie und ihre deutschen Dunkelmänner üben seit 30 Jahren auf Justiz und Politik in Deutschland einen so großen Druck aus, dass die 1974 verabschiedete Fristenlösung (das uneingeschränkte Recht auf Abtreibung in den ersten drei Monaten) 1975 vom Bundesverfassungsgericht wieder gekippt wurde, worauf der Bundestag die so genannte Indikationen-Regelung beschloss. Die wurde 1993 von den Karlsruher VerfassungsrichterInnen erneut verwässert. Begründung: "Das Selbstbestimmungsrecht der Frau darf dem Lebensrecht des ungeborenen Menschen nicht übergeordnet werden." Dieses Urteil zwang den Bundestag, 1995 den § 218 schon wieder zu ändern. Seither ist ein Schwangerschaftsabbruch in Deutschland rechtswidrig, aber straffrei, wenn mindestens drei Tage vor dem Eingriff eine Beratung erfolgt.

Doch der Vatikan und seine weltweiten HelfershelferInnen würden ungewollt Schwangeren das Recht auf selbstbestimmte Mutterschaft am liebsten ganz verbieten. Also terrorisieren Pro-Life-FanatikerInnen auch in Deutschland die FrauenärztInnen. Vor der Münchner Abtreibungspraxis des Gynäkologen Friedrich Stapf demonstrieren schon seit 1993 allmonatlich bis zu 100 LebensschützerInnen. Dass sie ihre "Andachten" nicht mehr direkt vor seiner Haustür abhalten dürfen, hat Stapf inzwischen gerichtlich erzwungen. Statt dessen beten die FanatikerInnen nun auf der anderen Straßenseite. Auch das Kasseler Ordnungsamt verbot im März 2001 eine "öffentliche Gebetsveranstaltung vor einer gynäkologischen Tagesklinik im Umkreis von 200 Metern".

Ein Abstand, der nicht reicht, wie die tödlichen Konsequenzen aus USA zeigen: Am 23. Oktober 1998 erschoss ein "Pro Life"-Heckenschütze Dr. Barnett Slepian durch das Küchenfenster seines Hauses. Der Arzt starb vor den Augen seiner Frau und seiner vier Kinder. Die anderen Opfer der LebensschützerInnen, die via Internet zu den Morden aufrufen, waren: drei Ärzte, eine Klinikschwester, zwei Klinikangestellte und ein Oberst, der zufällig in der Schusslinie stand.

Allein 1997 registrierte die National Abortion Federation insgesamt 14 Bomben- und Brandanschläge auf Kliniken, elf Morddrohungen und 2.829 Drohbriefe und -anrufe der "Pro Life"-Fanatiker. Folge: In den USA wollen die meisten ÄrztInnen inzwischen keine Abtreibungen mehr machen. Aus Angst. Und die jungen wissen gar nicht mehr, wie das geht, da an medizinischen Hochschulen Abtreibung, dieser häufigste Eingriff bei weiblichen Menschen, inzwischen kaum noch gelehrt wird.

Die LebensschützerInnen, die vor Stapfs Münchner Abtreibungspraxis einmal im Monat beten und gleich um die Ecke in einem Laden ein so genanntes "Lebenszentrum" eingerichtet haben, kommen vom Verein Helfer für Gottes kostbare Kinder mit Sitz in München. Amerikanischer Initiator dieser weltweiten Pro-Life-Bewegung ist der katholische Priester Monsignore Reilly aus New York. Der rühmt sich: Seit der Gründung von Helpers of God’s Precious Infants im Oktober 1989 seien allein in der New Yorker Diözese Brooklyn "von 45 Abtreibungskliniken 22 geschlossen" worden.

Drohen nun auch in Deutschland amerikanische Verhältnisse? Das ist keinesfalls undenkbar. Es muss ja nicht immer gleich geschossen werden. Es gibt auch andere Methoden, Abtreibung hierzulande wieder in die für Frauen lebensgefährliche Illegalität zu verbannen. Und während vor Kliniken und Praxen das Fußvolk dumpf agitiert, ziehen Einflussreiche im Hintergrund geschickt die Fäden. Zum Beispiel die honorable Fürstin Gloria von Thurn und Taxis aus Regensburg.

In den 80er Jahren war Gloria (42) als "enfant terrible" verschrien. Seit dem Tod ihres 34 Jahre älteren Gatten Erbprinz Johannes von Thurn und Taxis im Jahre 1990 hat sich die einst schräge Mutter von drei Kindern zu einer erzkonservativen Kostümträgerin und offensiven Lebensschützerin gemausert. Die bekennend katholische Fürstin aus Bayern: "Wenn eine Frau kein schlechtes Gewissen bei Abtreibung hat, was ist das für eine Frau? Abtreibung ist Mord!" Sex sei schließlich dazu da, "um Kinder zu kriegen".

Seit 1999 lebt die Managerin der Thurn-und-Taxis-Latifundien halbjährlich in Rom. Nicht nur, um ihrer Freundin und Gefährtin Alessandra Borghese, sondern auch um dem Vatikan näher zu sein. Die deutsche Fürstin und die italienische Prinzessin sind den Kirchenmännern nämlich so eng verbunden, dass sie nicht nur allmorgendlich mit ihnen zur Frühmesse eilen, sondern auch am Abend gerne mit ihren priesterlichen Freunden ganz weltlich essen gehen. Regelmäßige Audienzen beim Papst inbegriffen.

Die Verbindung scheint sich für beide Seiten zu lohnen, für die Adelsfrauen und für die Kirchenmänner. "Gloria nutzt den Aufenthalt in der heiligen Stadt auch dazu, ihre Seele zu reinigen und mit Gott zu sprechen", ließ eine "Vertraute" die Bunte wissen. Die Söhne Gottes wiederum nutzen die Freundschaft mit den noblen, reichen und einflussreichen Damen dazu, sie für die gute Sache zu motivieren. Und die gute Sache heißt: Kampf der Abtreibung! Kampf den Mörderinnen und Mördern! Kampf dem "Babycaust"!

Gloria von Thurn und Taxis hat auch Sitz und Stimme im Rat der Bayerischen Stiftung Hospiz. Deren Filiale in Regensburg setzt sich für "die Bestattung nicht bestattungspflichtiger Kinder" ein: "Nicht nur die nicht lebensfähigen, sondern auch die abgetriebenen Kinder sollen eine würdige Grabstelle bekommen." Außerdem unterstützt Gloria den Schwangerschaftsfonds Kultur des Lebens. Der wiederum ist eine "Initiative" der Stiftung Ja zum Leben, die "für die Rechte ungeborener Kinder eintritt": unter Vorsitz der Gräfin Johanna von Westphalen aus Meschede im Sauerland, die bis vor kurzem noch als Chefin die CDU/CSU-nahen "Christdemokraten für das Leben" (CDL) regierte.

1998 unterschrieb Vatikan-Freundin Gloria von Thurn und Taxis einen offenen Brief der obersten deutschen Lebensschützerin Westphalen, in dem "jeder Kardinal, Erzbischof und Bischof in Deutschland" zum Ausstieg aus der katholischen Schwangerschaftskonfliktberatung aufgefordert wurde, denn: Die Beratung "soll die straffreie Tötung des ungeborenen Kindes ermöglichen".

In seinem 2000 erschienen Buch "Glaubenswächter" ordnet der Journalist Peter Hertel, langjähriger Beobachter von fundamentalistischen "Laienbewegungen" in der katholischen Kirche, Fürstin Gloria von Thurn und Taxis dem berühmt-berüchtigten Opus Dei zu. Gerade der "vermögende katholische Adel" sei eine "kräftig sprudelnde Finanzquelle" für "päpstliche Autorität und fundamentalistischen Lebensschutz".

Was das alles mit dem Frauenarzt Dr. X aus dem protestantischen Mölln zu tun hat, das vom katholischen Regensburg 700 Kilometer entfernt ist? Möglicherweise nichts – aber: Unterzeichner des offenen Briefs an den deutschen Klerus waren auch zwei Möllner LebensschützerInnen.

Cornelia Filter, EMMA 2/2003
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