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22.09.2008

„Hirntote Patienten sind nicht tot“

 

Ärztewillkür am Beispiel von Sektion und Transplantation - von Dr.rer.nat. Paul Fries

 

 

 

„Hirntote Patienten sind nicht tot“

Das Thema Sterbehilfe sorgt in Italien immer wieder für heftige Diskussionen. Eine in diesem Bereich neue Debatte hat der Vatikan am Dienstag angestoßen. War bisher die passive Euthanasie bei gehirntoten Patienten auch von der katholischen Kirche akzeptiert, will man diese gesetzliche Regelung jetzt überarbeitet wissen. Denn der Gehirntod sei nicht das Ende des Lebens.

Lucetta Scaraffia, Mitglied der nationalen Bioethik-Kommission und des Vereins für „Wissenschaft und Leben“, hat in der Vatikan-Zeitung „L’Osservatore Romano“ die Harvard-Kriterien, die 1968 einen Menschen für tot erklärt haben, wenn es keine messbaren Aktivitäten des Gerhirns mehr gibt, als „veraltet“ angeprangert.

Bis zu dieser Definition des Todes im Jahr 1968 galt eine Person als tot, wenn das Herz-Kreislaufsystem zum Stillstand kam.

„1968 ging man erstmals davon aus, dass hirntote Patienten tot sind. Neueste Studien widerlegen das jedoch“, schreibt Scaraffia. Die Wisenschaft habe mittlerweile bewiesen, dass der Hirntod nicht dem Tod eines Menschen gleichkomme. Viele Neurologen, Juristen und Philosophen seien sich darin einig.

Die Entscheidung, den Hirntod als das Ende des menschlichen Lebens zu akzeptieren, basiere vielleicht weniger auf wissenschaftlichen Überlegungen, sondern auf dem Interesse, Organe zu transplantieren.

Die Erkenntnis, dass hirntote Patienten weiterleben, bringe neue Probleme für die katholische Kirche mit sich, die die Entnahme von Organen von Hirntoten nur auf der Basis von angeblichen wissenschaftlichen Gewissheiten, dass es sich um Kadaver handle, akzeptiert habe.

Die Wissenschaftler in Italien zeigten sich gespalten. „Für die Kirche ist das Leben heilig. Doch oft hat das Leben nicht mehr so klare Grenzen. Es ist logisch, dass es auch im Vatikan oft Verwirrung gibt“, sagte der Leiter des Mailänder Krankenhauses Niguarda, Carlo Alberto Defanti.

In Italien tobt seine Monaten eine heftige Diskussion über Sterbehilfe. Die Debatte erfolgt unter dem Eindruck des Falls der Koma-Patientin Eluana Englaro, deren Vater von einem Mailänder Berufungsgericht kürzlich die Genehmigung zur Aussetzung der künstlichen Ernährung erhalten hat, die die 35-jährige Frau am Leben hält.

Gegen den Beschluss des Mailänder Berufungsgerichts, das dem Vater die Erlaubnis gegeben hat, Eluanas Ernährung einzustellen, haben mehrere Anti-Sterbehilfe-Organisationen eine scharfe Kampagne gestartet. Sie wollen beim Kassationsgericht in Rom Einspruch gegen den Beschluss der Berufungsrichter erheben.

 

Quelle. 3. September 2008

http://www.dolomiten.it/nachrichten/artikel.asp?ArtID=123436&p=1&KatID=dMittwoch,

Dr. Paul Fries ist Naturwissenschaftler. Er lebt in Erlangen und hat täglich Einblick in den Medizinbetrieb, wie er in Deutschland usus ist. Sein Beitrag entstammt einem Vortragsmanuskript aus dem Jahr 1987 zum Gesundheitstag in Kassel. Schon damals wurde in den Kliniken praktiziert, was nun vom Transplantationsgesetz auf Gehirntotbasis nachträglich legalisiert worden ist.

Das Thema Tod, Krankheit, körperliche Unversehrtheit und Gesundheit sind heikle Themen, in einer Zeit, in der die sogenannte geistige Aufklärung den Menschen nichts gelassen hat, als das jetztige, diesseitige Leben. Selbst sattelfeste Gläubige zeigen in ihrem alltäglichen Leben deutlich die Symtome der Diesseitsbezogenheit - Bereitschaft zu Stress, Hektik, Lebenssucht, die Akzeptanz, Geld zu verdienen unter allen Umständen der Selbstverleugnung, um sich leisten zu können, Erlebnismäßig so viel mitzunehmen, als irgend möglich - das ist die deutliche Sprache der Angst vor dem Tod, dem ,,Nicht mehr sein".

Dem entsprechend ist der Wunschglaube an die Allmacht der Götter in Weiß ausgeprägt - würde eine Zerstörung dieser Traumvorstellung zu einer Gefährdung des sozialen Friedens in den sogenannten zivilisierten Ländern führen.

Sicherlich bemühen sich die Anhänger der Weißkittelzunft darum, verantwortungsvoll ihre Arbeit zu verrichten, doch auch sie sind Menschen, auch auf sie drückt täglich mehr das Risiko des sozialen Absturzes, die Zwänge der sozialen Existenzsicherung. Somit ist vorprogrammiert, daß es auch hier ,,Berufene" gibt, deren Moral von ihrem Geldbeschaffungsinteresse definiert wird. Leider existieren bis heute keine wirksamen, von der Pharmaindustrie und dem Medizinbetrieb unabhängige Verbraucherschutzeinrichtungen, die mit aller Macht dafür Sorge tragen, daß auch tatsächlich der Wille des als Patient jeweils Betroffene dem Grundgesetz entsprechend gewürdigt wird, auch über den sogenannten Todeszeitpunkt hinaus

- Die Würde des Menschen ist unantastbar - Seine körperliche Unversehrtheit ist garantiert.

Unter den bei uns herrschende Wolfsverhältnissen, wo sich jeder selbst der nächste sein muß, um nicht vom anderen übers Ohr gehauen oder sonstwie geschädigt zu werden, ist nicht verwunderlich, daß die Zerstörung unter den Menschen zunimmt und als körperliche Gewalt ihren Ausdruck findet.

Peter Bechen für <subventionsberater.de>

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Aachener Volkszeitung vom Dienstag, 14. November 1989

Der Organ - Handel blüht

RTL - Reportage: Geschäfte mit dem Überleben

,,Der internationale Organhandel" heißt die "Explosiv - Extra" - Reportage, die RTL plus um 21.40 Uhr ausstrahlt. Die Recherchen führten das Team von Autor Ilan Ziv, der diesen Film in Zusammenarbeit mit RTL plus, der BBC und dem kanadischen Fernsehen produzierte, durch die ganze Welt. Beim legalen und illegalen Geschäft mit Organen geht es um viel Geld. Im Blickpunkt der Diskussion stehen aber moralische und ethische Grundsatzfragen. Im Mittelpunkt der Reportage steht Zach Richter, ein amerikanischer Nierenkranker, den das Filmteam auf seiner Suche nach einer Spender-Niere um die ganze Welt begleitete - von New York aus, wo er regelmäßig an eine Dialyse - Maschine angeschlossen wird, durch acht Staaten: von Deutschland nach China, von Großbritannien in die Türkei.

Das Ergebnis dieser Recherche ist im höchsten Maße alarmierend:

Menschliche Organe sind weltweit zu einer kostbaren Ware geworden. Das menschliche ,,Ersatzteil" bringt Geld, Krankenhäuser verdienen an den Operationen. Ein Zwei - Klassen - Gesundheitssystem entsteht, in dem sich nur die Reichen nach Bedarf für eine Transplantation entscheiden können. Die Armen übernehmen vor allem die Rolle der Organspender, haben selbst jedoch nur geringe Chancen auf eine lebensrettende Verpflanzung - nach oft jahrelanger Wartezeit.

In der Bundesrepublik sprach das Filmteam mit dem Organhändler Uwe Fürstenberg. In Paris wurde Rainer Graf Adelmann aufgespürt, der einen Blick in seine Geschäftsbedingungen und seine Preisliste gestattete.

Nächste Station war Insbruck. Obwohl Österreich Mitgliedsland von Eurotransplant ist, Europas führender Organ - Vermittlungs- Organisation, finanzieren dort italienische Organ - Patienten ein Transplantationsprogrammm.

In England entnehmen private Kliniken gegen alle Gesetze Organe von lebenden Spendern, die nicht mit den Empfängern verwandt sind. Nur zehn Prozent der Transplantationen im vergangenen Jahr wurden überhaupt registriert und konnten so überprüft werden. Für das Humana - Hospital wurden l988 eigens Türken nach London geholt, um ihre Niere zu spenden. Ein Fall, der Schlagzeilen machte und jetzt vor Gericht untersucht wird.

Häftlinge im Mantelupa - Gefängnis in Manila verkaufen ihre Nieren - hauptsächlich an Ausländer. So erkaufen sie sich die Freiheit. "Es gibt hier 3000 Gefangene", meint ein Ex - Häftling zu Zach Richter, "alle sind bereit, ihre Niere zu spenden, weil uns die Behörden dann freilassen."

Die Reise von Filmautor Ilan Ziv endet in den Vereinigten Staaten. Obwohl der Kauf und Verkauf von Organen dort verboten ist, funktioniert auch in den USA ein schwunghafter Handel mit Organen, quasi durch die Hintertür. Immer häufiger ist von "Entschädigung" williger Spender die Rede. Natürlich sind hier wie überall wohlhabende Kranke im Vorteil.

* * * * *

Das Geschäft mit dem Tod im Spiegel der aktuellen Presse:

Im Juli 2001 war in einer Ausgabe der Springer - Kirchpresse zu lesen, daß sich ,,die skrupellosen Geschäfte mit dem Tod [...] immer mehr aus[weiten]." Und weiter heißt es: ,,Erst der unglaubliche Vorfall, bei dem einem Stuttgarter Selbstmörder (57) [, der sich in Selbstmordabsicht vor eine S - Bahn geworfen haben soll,] die Herzklappe gestohlen wurde. [...] Die Staatsanwaltschaft prüft [nun], ob auch Herzschrittmacher von [anderen] Toten verkauft wurden. [...] Kripo - Beamte [...] sicherten Disketten von PC´s [eines Bestattungsunternehmens, deren Daten] möglicherweise auf einen Handel mit Herzschrittmachern hinweis[en. ...] Mitarbeiter des Bestattungsunternehmens [sollen möglicherweise] von Verstorbenen Herzschrittmacher entnommen [und diese ... ] für bis zu 20.000 Mark nach Ungarn verkauft haben. [...] Die Herzschrittmacher lassen sich bei Verstorbenen sehr einfach entnehmen. Ein kleiner, rund 6cm langer Hautschnitt unter der Schulter genügt.

* * * * *

Der Leitartikel ,,Schönheit im Tod" zu einem ,,Stuttgarter Symposion zur Bestattungskultur der Zukunft" von Rolf Spinnler, in der 158 Ausgabe im Jahr 2001 der STZ beleuchtet in etwa die Hintergründe der Sterbekultur in unserer heutigen Kultur. Die wesentlichsten Gesichtpunkte sind nachfolgend zusammengefasst:

,,Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen" [... d]as stimmt heute immer noch, jedenfalls wenn man einen Blick ins Fernsehen wirft. Alle paar Minuten bekommt man dort eine Leiche präsentiert [... . Es] gibt [.] immer mehr Vierzigjährige, die noch nie [...] einen leibhaftigen Toten gesehen haben. [...]

In Deutschland werden jährlich 860.000 Bestattungen durchgeführt, 165.000 Beschäftigte sind in diesem Gewerbe tätig, der Jahresumsatz der Branche beträgt rund 20 Milliarden Mark, die Struktur der Unternehmen ist überwiegend mittelständisch. [...]

Die Kirchen haben in den säkularisierten Gesellschaften ihr Monopol bei der Bestattungskultur und Trauerbegleitung verloren, alte Rituale greifen nicht mehr und sind in einer multikulturellen Gesellschaft auch nicht mehr von allen nachvollziehbar. Die Zahl der Urnen- und der anonymen Bestattungen nimmt in den Großstädten zu, in der Hospizbewegung und in den Aids - Selbsthilfegruppen der Schwulenszene werden neue Formen der Trauerkultur entwickelt.

Wie in anderen Lebensbereichen macht sich also auch im Umgang mit dem Tod die Individualisierung in unserer Kultur bemerkbar. [...]

Anthropologen sehen in der Tatsache, dass die Verstorbenen von den Hinterbliebenen begraben werden, ein entscheidendes Merkmal der Gattung Mensch. Dabei ist die Fürsorge für die Toten überwiegend von Angst geleitet: Man fürchtet ihre Unheil bringende Rückkehr ins Leben und versucht diese durch Rituale zu bannen. Das Schließen der Augen und des Mundes etwa hat genau diese Funktion. [...]

Während im Mittelalter die Friedhöfe ins Zentrum der Gemeinde um die Kirche herum angelegt wurden, verlegte man sie seit dem 18. Jahrhundert immer mehr an den Stadtrand. Das Zeitalter der Aufklärung führte hygienische Gründe für diese Auslagerung an, aber der Tod durfte auch aus kulturellen Gründen keinen zentralen Platz in einer auf Fortschritt eingeschworenen Gesellschaft mehr beanspruchen. Die staatliche Bürokratie nahm sich des Bestattungswesens an und erließ im 19. Jahrhundert Gewerbeordnungen, die vorschrieben, wie eine ,,schöne Leich" zu Grabe getragen werden musste. [...]

Von den Ängsten und Hoffnungen, die dem Leben nach dem Tod gelten und die in allen vergangenen Kulturen durch die Begräbnisrituale symbolisiert wurden, war mit keinem Wort die Rede. Die seriös wie Banker wirkenden Bestattungsspezialisten [...] verstehen sich als Dienstleister, die ihren Kunden Wissen, Transparenz und Effizienz im Trauerfall versprechen.

Der Mensch wird nach dem Ableben zu einem immer mehr gefragten Objekt der Medizin. Was man Organspendern, Schwerkranken und Angehörigen dabei verschweigt, wird hier aufgezeigt.

Sektion und sezieren ist ein Gegenstand, der weitgehend aus dem Bewußtsein gesunder und kranker Menschen verdrängt ist, was neben Berührungsängsten an der Verstohlenheit liegt, mit der diese Tätigkeit betrieben wird. Aber wer mit ihr unversehens konfrontiert wird, dem geht nicht nur ein Licht auf, sondern er behält meist einen Schock fürs Leben. Dieser Schock ist wahrhaft archaischer Natur. Das schlimme daran ist, daß der Betroffene den Empörungsstau dieses schrecklichen Augenblicks nicht durch eine ebenfalls archaische Tat befreien kann, denn der ,,Täter" ist ja gar nicht da, er sitzt irgendwo an einem Schreibtisch! Und das ist gut für ihn, denn so mancher Betroffene wäre in diesem Augenblick nicht mehr zurechnungsfähig. Ein Angehöriger‚ den wir in Erlangen zur Sache berieten, verschaffte sich in der Klinik Zugang und stand dem Verantwortlichen, wie er uns berichtete, plötzlich an seinem Schreibtisch gegenüber. Der wußte gleich, worum es ging, denn es war vorher schon einiges gelaufen. Der Besucher schaute den anderen lange an und sprach die Worte: ,,So sieht also einer aus, der mir das angetan hat". Der Andere geriet in Schwitzen und begann zu zittern. Sicher fühlte er sich wie erlöst, als sein Gegenüber sich dann umdrehte und - wegging.

Was die Angehörigen seelisch durchmachen müssen, davon erhält man eine Vorstellung aus Briefen und Aussagen, geschrieben aus der unmittelbaren Bedrängnis des Erlebnisses. Bevor wir einige Beispiele vorstellen, müssen wir wissen, was bei einer Sektion, auch Autopsie, Obduktion oder innere Leichenschau genannt, eigentlich geschieht. Sektionen sollen dem Interesse der Qualitätssicherung ärztlicher Arbeit dienen. Am lebenden Patienten lassen sich entsprechende Kontrollen, ob z.B. eine Operation sachgerecht erfolgte, kaum durchführen, es sei denn, es sind Nachoperationen erforderlich. Stirbt ein Patient nach einem medizinischen Eingriff, können die Angehörigen, wenn sie Behandlungsfehler vermuten, einer Sektion zustimmen. Dies bedeutet dann allerdings die chirurgische Öffnung des Körpers des Verstorbenen, andererseits Erkenntnisse über Behandlungsschäden und Aufklärung von ,Arztfehlern sowie falschen Diagnosen (1). So berichtet der Pathologe Stolte, weltweit durchgeführte Sektionen ließen ca. 40%(!) aller klinischen Diagnosen (in Krankenhäusern durchgeführt) als falsch erkennen (2).

Man muß sich einmal vorstellen, was das heißt, 40% aller Krankenhaustoten starben aus Gründen, welche den behandelnden Medizinern der Klinik nicht einmal bekannt waren ! Sehen wir von unvermuteten, bisher nicht entdeckten Krankheitsformen ab, wieviele der Fehldiagnosen wurden durch sträfliche Leichtfertigkeit oder Unterlassungen verschuldet und damit der Tod des Patienten ?! Die Antwort könnten die Krankheitsforscher (oder Pathologen, wie sie sich nennen ) geben, denn sie kennen diese Sektionen. - Ich erinnere mich der Mitteilung einer Dame über einen abendlichen Friedhofsspaziergang mit einem ihr bekannten (und namhaften, noch nicht lange verstorbenen) Pathologen, der ihr, von Mitteilsamkeit angewandelt ‚ eröffnete: ,,Wenn wir über jedem Grab eines Toten hier, der von einem Arzt unter die Erde gebracht wurde, ein Lichtlein anzünden würden, dann wäre es taghell - - -". Lassen wir nun einige Pathologen sich deutlicher zu diesem Thema äußern: ,,Artikel 18 des Bayerischen Bestattungsgesetzes verpflichtet die Pathologen, die Fälle zu melden, bei denen pathologisch - anatomische Sektionsbefunde in einem Kausalzusammenhang mit ärztlichen diagnostischen oder therapeutischen Eingriffen stehen. Der behandelnde Arzt wertet die gesetzlich geforderte Meldung aber als Anzeige einer ,,Straftat" im Sinne der Denunziation. Es kann ein einziger Meldefall genügen, um ein bis dahin ungestörtes Vertrauensverhältnis zwischen dem behandelnden Arzt und dem Pathologen zu zerstören --- dies ließe sich nur durch Verzicht auf Sektion bei verstorbenen Patienten mit vorausgehender eingreifender ärztlicher Diagnostik und Therapie erreichen (3)". Gar keine gute Meinung von der ärztlichen Kunst ihrer Klinikkollegen offenbart sich da bei den Pathologen ! - Ein anderes Beispiel: "Die Pathologie hat nie den Anspruch erhoben, in der Medizin die Funktion eines Polizisten oder Richters auszuüben (4)". Der Rechtsmediziner Dotzauer spricht vom Pathologen, der kein Büttel der Staatsanwaltschaft sein will (5)".

Wir müssen erkennen, daß Abschirmungsmechanismen, die durch Schlagworte wie Verschwörung des Schweigens" oder Pfuschen und Vertuschen" veranschaulicht werden, bis hinein in Selbstkontrollmaßnahmen, wie sie durch Sektionsergebnisse erreicht werden, innerhalb des Medizingewerbes die Regel sind. Es werden hierbei nicht nur Landesgesetze mißachtet, sondern auch unterlassungsdeliktisch strafrechtliche Konsequenzen bedenkenlos riskiert. Den Schaden trägt die Allgemeinheit. Durch Vertuschen bei Sektionen bekannt gewordener Behandlungsfehler, strafwürdiger und schadenersatzpflichtiger, wird unsere Bevölkerung massenhaft um Genugtuungsansprüche gebracht, ohne daß sie davon jemals erfährt oder nur ahnt. - Anscheinend will sich die Pathologie bei ihren Klinikkollegen durch strenge Abschottung ihrer Ergebnisse nach außen lieb Kind machen. Wie man hört, wird Interesselosigkeit der Kliniker an Sektionen beklagt (6). Nun dienert man sich an. Berserkerhafte Werbesprüche wie "die Pathologie sei eine Kuh mit strotzendem Euter, die nur zum Nutzen der Chirurgen gemolken werden muß "(Erlangen), unterstreichen dies überdeutlich.

Wir haben festgestellt, daß Sektionen ein Hilfsmittel zur Kontrolle ärztlicher Arbeit am Patienten in der Klinik, wenn auch leider erst nach dem Tode desselben, darstellen. Wir haben zur Kenntnis genommen, daß diese Kontrollarbeiten unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfinden. Die Sprache muß nun programmgemäß auf einige sehr mißliche Dinge kommen in dieser ganzen Angelegenheit, weitgehend anhand der Schilderung von Vorkommnissen.

Das folgende Ereignis liegt schon einige Jahre zurück. Die Patientin Abdel Yaliki aus Marokko wurde den Studenten im Hörsaal des Aachener Klinikums vorgestellt. Die Medizinstudenten drängten den Professor, unbedingt sofort etwas zu unternehmen, denn die Patientin wand sich vor Schmerzen und schrie. Der Professor nichtsdestoweniger führte die Vorlesung zu Ende. Kurz nach der Vorlesung entdeckten Studenten den Leichnam der Patientin im Klinikflur. Der Vorfall sprach sich in der Universität herum und kam auch der Staatsanwaltschaft zu Ohren. Diese setzte die Kriminalpolizei in Marsch, um die Leiche zu beschlagnahmen. Das gelang auch, doch die Pathologen waren schneller. Sie hatten die Leiche bereits seziert und alle inneren Organe der Toten entnommen. Diese waren unauffindbar. Damit konnte die Staatsanwaltschaft die erforderlichen Beweise nicht erbringen. Der Tod der Patientin blieb ungesühnt . Diese sträfliche Praxis kann für Angehörige schwerwiegende Folgen haben. Eine klinikintern so schnell wie möglich durchgeführte Sektion verhindert bei Ärztefehler -verdacht nicht selten eine gerichtsmedizinische Kontrolle und damit die Sicherstellung entscheidungserheblicher Beweismittel (7).

Strafrechtlich liegt hier dringender Verdacht der Strafvereitelung nach StGB § 258 durch Vernichten von Beweismitteln vor, was auch für viele Sektionen im Rahmen des bereits geschilderten ,,Ausschlusses der Öffentlichkeit" und ,,Abschottung der Ergebnisse" nach außen gelten dürfte. Dem nicht mit medizinischen Praktiken vertrauten Bürger wird es übel aufstoßen, daß Sektionen mißbraucht werden, um Körperteile Verstorbener verschwinden zu lassen, in verwerflicher Weise ihre körperliche Integrität zu zerstören. In der Werbung steht es da ganz anderes. Da heißt es doch: ,,Unkenntnis über den Ablauf einer Sektion, vielleicht auch Sensationsberichte der Boulevardpresse, lassen in Angehörigen Verstorbener oft Zerstücklungsphantasien aufkommen. Die Pathologen versuchen, der Öffentlichkeit klar zu machen, daß sich die Sektion grundsätzlich nicht von einem operativen Eingriff unterscheidet" (2). Leider ist das nicht so. Es wird hier nur eine Idylle vorgegaukelt. Die Wirklichkeit ist grausamer als so manche Zerstückelungsphantasie. Der Direktor der Münchner Pathologie hat darüber folgendes zu berichten ( Briefauszug ):

,, --- Für die innere Leichenschau werden die Organe des Brust- und Bauchraumes und der Schädelhöhle entnommen - und nach Beendigung der Aufbewahrungszeit analog dem Vorgehen in einem Krematorium verascht. Im Unterschied zur Verbrennung eines ganzen Leichnams in einem Krematorium sind Aschenreste hierbei praktisch nicht mehr auffindbar ---". In dem letzten Satz scheint mir eine gewisse diabolische ,,Abgebrühtheit" unverkennbar: In der Familie des in dem Brief betroffenen Verstorbenen ist seit Jahrhunderten die Erdbestattung geheiligter Brauch. Was mag der Sohn des Toten wohl empfunden haben, als man ihm mitteilt, ein ,,Teil der Asche" sei ihm nun entgangen --- ? Was den ersten Teil des Briefes anbelangt, so ist er ein Schock für alle, die getreu dem Wort der Pathologen (2) glaubten, Sektion sei identisch mit Operation, der Patient wurde mit der bei Operationen geübten äußersten Schonung zur inneren Leichenschau geöffnet und dann wieder mit aller operativen Sorgfalt in etwa den Zustand körperlicher Unversehrtheit zurückgeführt. Pathologen, die von solcher Gutgläubigkeit hörten, würden wohl vor Lachen wiehern. In Wirklichkeit wird der Verstorbene auf den Sektionstisch gelegt, mit einem Schnitt den Bauch lang von der Harnblasengegend bis zum Brustbein und mit einem zweiten Schnitt von einer Achsel quer über die Brust aufgeschlitzt, bis zur anderen Achsel. Dann werden die Hautlappen über die ganze Körperlänge zur Seite gerollt und der Brustteil unter das Kinn nach Art einer Halskrause. Die gesamten Eingeweide liegen nun offen da und werden dann einfach aus dem Körper herausgenommen, Darm, Magen, Lunge, Leber, auch noch das Herz und dann die Rippen herausgetrennt. Dann wird der Schädel aufgemacht und das Gehirn herausgeholt.

Die Pathologen überlassen nun den total ausgehöhlten Körper des Verstorbenen Handlangern, die ihn mit Zeitungspapier oder anderem Material auffüllen und notdürftig auf Fasson vernähen, falls sie dies tun und nicht die blutigen Reste des Verstorbenen zusammen mit fremden Leichenteilen achtlos in den Sarg ablegen (31). Die Beisetzung gerät zur Posse, die Angehörigen beerdigen nicht ihren betrauerten Toten, sondern nur eine ausgestopfte zerschnittene Hülle, die mit dem Toten nicht mehr viel zu tun hat. Angehörige, die trotz entgegenstehender Kennzeichnung durch die Sektionshandlanger den Sarg. öffnen lassen ‚ erkennen mit tiefer Verschreckung die ganze Wahrheit. Hier als Beispiel der Brief einer Berlinerin:

,,Der Sarg wurde geöffnet. Es waren drei Kreuze auf dem Sarg. Was die Leichenträger nicht wußten: drei Kreuze heißt nicht öffnen. Durch die Blumendecke auf dem Sarg übersahen die Träger das, waren selbst entsetzt. Ich kann nur sagen, ich schrie nicht auf, war versteinert, da die Schädeldecke geöffnet war, Beine, Lunge, alles war geöffnet worden. Ich bin nervlich am Ende. Ich schlafe seither mit Schlaftabletten, träume grausame Sachen. Mein Mann wurde ohne mein Wissen seziert --- Gleich bei der Einweisung nachts auf dunklen Gängen mußte ich unterschreiben --- Das Kleingedruckte, da achtet man nicht darauf --- Ich erstattete Anzeige - habe keine Mittel, einen Anwalt zu Rate zu ziehen --- ".

Die Aushöhlung und Verstümmelung unsrer Toten in den Sektionsanstalten sind nicht drei hier geschilderte bedauerliche Einzelfälle. 70 000 Verstorbene werden jährlich bei uns ohne Genehmigung zerschnitten, wie der Kieler Strafrechtsprofessor Samson 1982 aufdeckte (8). Jedem von uns und seinen Angehörigen als Leidtragende widerfährt das gleiche, wenn er sich nicht rechtzeitig und erfolgversprechend, falls ihm daran liegt, gegen die Sektionsmühlen abschirmt. Lassen wir uns dabei aber. nicht durch Beschwörung des wissenschaftlichen Zwecks täuschen. Eine traurige Wissenschaft müßte das sein, deren Geschäft sich nur durch Mißachtung des Totensorgerechts der Mitbürger betreiben ließe, von deren Steuergeldern sie lebt. Die Justiz hat das einmal auf sehr deutliche Weise zum Ausdruck gebracht in dem berühmten "Gütgemann - Urteil" des Bonner Landgerichts von 1970 (9):

"Was für die Unversehrtheit des Körpers des lebenden Menschen gilt, gilt auch für die Unversehrtheit des Leichnams. Es ist trotz Drängens der medizinischen Wissenschaft und Praxis anerkannten Rechtes, daß die Vornahme einer Sektion ein objektiv unerlaubter Eingriff ist" --- , der nur durch Einwilligung zu einem erlaubten wird ---". "Es besteht auch keine typische und immer wiederkehrende Kollision zwischen dem Recht der Unversehrtheit eines Leichnams und sonstigen Wertentscheidungen des Grundgesetzes ---. Das Grundrecht der Freiheit der. Wissenschaft findet stets dort seine Grenze, wo seine Inanspruchnahme ein anderes Grundrecht verletzt --- . Dem Zugriffswillen des Forschers sind die allgemein gültigen Rechtsschranken gezogen. Er hat, ohne die Möglichkeit der Berufung auf die Freiheit der Wissenschaft, die für den Umgang mit Menschen und Dingen allgemein gültigen Rechtsgrundlagen zu beachten".

Pathologen beeindrucken solche Beschwörungen des Rechts kaum. Ende der 70iger Jahre befand sich ihre Zunft auf einem Tiefpunkt: " Es wird kaum noch seziert", beklagten sie sich in der Fachpresse (10); Schwanengesänge wurden schon angestimmt:" Krankheitsforschung ist das zentrale Thema der Pathologie ---. Deshalb wird Pathologie auch dann noch blühen, wenn sie als Fach oder Disziplin nicht mehr geführt wird (!) "‚ hieß es zur Eröffnung der 62. Pathologietagung (11).

Inzwischen hat sich die Branche Neues einfallen lassen, was vieles, das man ihr bisher vorwarf, in den Schatten stellt. - In einem Schreiben vom 28. Mai 1982 wandte sich der Erlanger Norbert Stiegler hilfesuchend an den Abgeordneten des Bayerischen Landtags Horst Heinrich, dem nach Ableben der Mutter die Todesbescheinigung verweigert und wegen Sektionsverweigerung von der Klinik der Kriminalpolizei gemeldet wurde (!). Er schreibt u.a. : ,, --- Meine Schwestern und ich mußten Minuten nach dem Ableben unserer lieben Mutter in der inneren Medizin der Universitätsklinik Erlangen die schreckliche unmenschliche Brutalität hautnah miterleben durch die Forderung eines Herrn Dr. P.: " Dann geben Sie uns doch wenigstens den Kopf Ihrer Mutter". Diese Forderung kam, nachdem wir eine Sektion verweigerten --- Es darf nicht sein, daß die Leiber unserer geliebten Toten ohne Zustimmung in die Hände von Menschen gelangen, die --- diese zerschneiden ---".

Die Stieglers wußten damals noch nicht, was es mit dieser ,,Kopfjagd" auf sich hatte. Kurz danach enthüllte im ZDF - Teleillustrierte (1.4.82) unter dem Titel ,,Schwunghafter Handel mit menschlichen Organen" der ehemalige Sektionspräparator H. D., an der Tübinger Uni - Klinik würden aus den Köpfen Verstorbener Organteile an die Pharmaindustrie abgegeben werden". ,,Ihn störe, daß aus den Leichenteilen Geld gemacht werde, für die Hirnhaut 15.-DM, die Hirnanhangdrüse 8.- DM". Das Schwäbische Tagblatt v. 5.3.82 berichtet, ,,diese Schwarzhandelspraxis bestätigte auch Prof. Adalbert Bohle von der Uni - Klinik Tübingen. Die Sektionsgenehmigung lag ja vor; hätten. wir den Angehörigen von den Organentnahmen mitgeteilt, hätten fast alle diese zurückgezogen".

Die Empörung der Allgemeinheit war bundesweit. Mit Kraftausdrücken wie Organdiebstahl oder Leichenfledderei ‚ wissenschaftliche Zuhälterei und Argumente wie etwa "können wir es dulden, daß der Nachlaß der Toten behutsamer angefaßt wird als diese selbst ?!" wurde nicht gespart. Die offizielle Pathologenzunft hatte dafür nur nackten Hohn übrig, siehe z.B. Medical Tribune 16/1982 (12) oder im Deutschlandfunk (3O.7.82), wo erklärt wurde, die Geldeinnahmen aus den verhökerten menschlichen Organen seien nur ,,eine Aufwandsentschädigung" für die ganz, ganz schlecht bezahlten Präparatoren (Sektionsgehilfen)". Ob für die Hintermänner, die das ganze decken, etwas herausspringt, davon hörte man nichts.

- Diese Querelen überließen die Pathologen ihrem ganz überraschend schnell zum Professor ernannten Pressereferenten, der sich schon 1980 gegen Minister Helmut Engler bewährt hatte, dessen Sektionsfragebogen für Patienten an den Kliniken Baden - Württemberg's mit vagen Argumenten zu Fall gebracht wurde (2).

Sicher bringen diese Aktivitäten der Pathologie Aufwind, vorwiegend durch höhere Sektionszahlen. Hunderte von Köpfen braucht man pro Patient, um aus Gehirnen Verstorbener die nötige Menge Hypophysen ( Hirnanhangdrüsen) für ein Medikament anzusammeln, das Wachstum fördern soll. "Was für die Sezierer ein Zubrot ist, ist für die Hersteller ein Bombengeschäft", sagt ein ehemaliger Pharmareferent. Die Hypophysen gingen dann per Luftfracht in Kühlschränken nach Stockholm (13). Allerdings haben Pharmahersteller in USA und Schweden den Vertrieb von Wachstumshormonen vorerst eingestellt, nachdem drei Patienten an den Medikamenten gestorben waren (14).

In der Landtagsdrucksache 9/12943 als Antwort auf eine Anfrage des Abgeordneten Horst Heinrich bezeichnet Staatssekretär Dr. Rosenbauer die Entnahme von Organteilen einer Leiche ohne Einwilligung der Berechtigten als rechtswidrig. Die Drucksache enthält auch Angaben über Handelspreise, zu denen Organteile von in Kliniken der Universität Erlangen Verstorbenen an die Pharmaindustrie abgegeben werde, ein in der Kultur- und Rechtsgeschichte des deutschen Universitätswesens wohl einmaliger Vorgang.

- All diese Dinge spielen sich hinter dem Rücken der Angehörigen ab. Die Stiegler - Geschwister konnten dies zwar nachdem Tode ihrer Mutter verhindern, sahen sich aber "durch unverantwortliches Verhalten genannter Personen als Sektionsverweigerer in dieser Schreckensstunde immensem seelischen Druck ausgesetzt". (Erlg.- Nachr. 10.4.82).

Eine konsequente Fortsetzung und Ausweitung genannter Sektionspraktiken ist die Entnahme von Organen wie Herz, Lunge, Nieren, Leber, Milz u.s. w. zum Zwecke der Transplantation. Das neue daran sind statt verdienter Minibeträge von 10 oder 15 DM für Hirnanhangdrüsen Riesenumsätze mit Spitzenbeträgen bis zur Nähe von gegenwärtig 200 000 DM etwa für eine Herztransplantation, neben Ruhm und Ansehen und modernsten millionenschweren Kliniken für die Transplantation. Wenn dies alles für Organempfänger eine echte Hilfe wäre, dann würde man trotz mannigfaltiger Bedenken keine Einwände erheben, wenn die Organspender nicht über die .Risiken ihrer Liebestat ,,Organspende" systematisch im unklaren gelassen würden.

Ein Opfer dieser - laufend praktizierten - gezielten Desinformation wurde die Familie Greinert. 1985 verunglückte ihr Sohn mit dem Fahrrad tödlich. Die Eltern stimmten aus einer " emotionalen Verfassung " der Entnahme eines Organs zu. Dabei blieb es aber nicht. In der ARD - Sendung vom 21.1.86 (16) erzählt Frau Greinert: ,,Es zog sich ein Schnitt von seiner (des Sohnes) Kinnspitze hinunter bis in den Ausschnitt. Wir haben uns dann sehr betrogen gefühlt und Prof. Pichlmayr (Leiter der Klinik für Transplantationschirurgie Hannover) hat dies so begründet: Wenn wir den Angehörigen Auskunft geben über das, was wir tun, dann bekommen wir bestimmte Organe nie". Die Mutter erstattete Strafanzeige --- Dies war jedoch nur das Vorspiel. Die brisante Hauptsache erfahren wir fast ein Jahr später in der ARD - Sendung "Organspende (17) von Silvia Matthies - Wille am 2.11.1986, ein Zeitintervall, das Frau Greinert in anhaltender Empörung nutzte, um den Hintergründen der Organentnahmen an ihrem Kinde auf die Spur zu kommen. - Hören wir nun:

Silvia Matthies (an Frau Greinert)

Hat man Ihnen in der Klinik erklärt, das dem Christian die Organe nach Eintritt des Hirntods entnommen werden, hat man Ihnen erklärt, was der Hirntod eigentlich ist.

Frau Greinert

Nein, das hat man überhaupt nicht. Ich bin erst selber viel später darauf gekommen, oder habe erst viel später die Bedeutung des Hirntods erfaßt. Und wäre mir das zu diesem Zeitpunkt klar gewesen, dann hätte ich nicht mal ein Organ gespendet.

( Wer diese Sendung gesehen hat, der wird nie den Ausdruck verzweifelter Klage in Gesicht und Stimme dieser Mutter vergessen, mit der sie diese Aussage vortrug, aber auch nicht Prof. Pichlmayr's eisige Distanz).

Frau Greinert fährt fort:

Für mich ist es ganz egal, wenn man mir sagt, mein Kind ist tot, dann nehme ich an, daß mein Kind gestorben ist, daß also ein Prozeß abgeschlossen ist. Jetzt habe ich aber erfahren, daß der Hirntod ja eigentlich nur ein Moment im Sterben des Menschen ist und wäre mir klar gewesen, daß der Christian ja noch gar nicht zu Ende gestorben ist, daß man im Grunde genommen durch die Technik das Sterben verhindert oder das Sterben aufhält, dann wäre es mir ja ganz egal gewesen, wieviel von dem Christian noch lebendig ist, entscheidend wäre für mich gewesen, es ist überhaupt noch etwas lebendig --- ".

Die ganze Grausamkeit des Vorgehens beim Transplantieren wird hier offenbar: " Die Technik hält das Sterben auf ?". Was heißt das? Das heißt natürlich nicht, daß es grausam sei, bei Schwerkranken auf Intensivstationen maschinell Blutkreislauf und Herz in Gang zu halten zwischenzeitlich, bis der Zustand des Kranken sein Weiterleben wieder ohne maschinelle Hilfe zuläßt. Auch ist es nicht grausam, zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt die Maschinen abzuschalten, wenn der Zustand des Kranken Atmung, Blutkreislauf und Herzschlag aus eigener Kraft nicht mehr ermöglicht. Als dieser Zeitpunkt wird der ,,Hirntod" gewählt. Das bedeutet, daß das Hirn in einem Ausmaß geschädigt ist, daß nach medizinischer Erfahrung ein selbständiges Weiterleben des Menschen ohne Maschinenhilfe nicht mehr zu erhoffen wäre. Feststellen kann man das durch gewisse Kennzeichen und Reaktionen am Patienten, unterstützt durch elektronische Messungen mit mehr oder weniger komplizierten Apparaturen. Der Zeitpunkt der Hirntodfeststellung und damit der Abschaltung der künstlichen Lebenserhaltung hängt damit allerdings vom Ermessen des Arztes und dem Funktionieren seiner Meßapparaturen ab, also auch von Fehlerrisiken. Ohne die Einrichtungen der Intensivstation hätte der Patient aber nicht einmal die Chance zum Überleben gehabt.

Es muß also festgestellt werden, daß sich hier verantwortungsvoller Gebrauch der Technik lebensrettend auswirkt und nicht grausam ist. Das kann Technik aber durch Mißbrauch schnell werden. Wenn nämlich in der Intensivstation die künstliche Lebenserhaltung abgestellt wird, beginnt der Prozeß des Sterbens. Er umfaßt alles, was am Menschen Körperlichkeit ist, natürlich auch jene Hirnteile, die bei der Hirntod - Feststellung nicht als [?] erkannt werden konnten. Der Prozeß des Absterbens dauert über Stunden. Er ist beendet, wenn der ,,sichere Tod" durch körperliche Zeichen wie Totenstarre und (15) Totenflecke erkennbar ist.

  Es ist dies der Zustand des Menschen, den wir alle meinen, wenn wir von ,,Tod" sprechen, der ,,Gesamttod", wenn der Mensch zur Leiche geworden ist. - Man kann sich nun folgendes einfallen lassen. Man schaltet den Patienten nicht ab, hält seinen Kreislauf weiter künstlich in Gang, obwohl man ihn als ,,hirntot" erkannt hatte. - Der Ausdruck ,,Hirntod" ist nun zwar recht markant, führt aber in die Irre, denn mit ,,Tod" des Patienten, wie er eben beschrieben wurde, hat der Hirntod nichts zu tun. - Unser Patient bleibt also weiter angeschaltet, Kreislauf und Atmung in Gang gehalten, sein Körper wird durchblutet samt Organen, er lebt also, auch das Gehirn, soweit es nicht ausgefallen ist, wenn auch mit technischen Hilfsmitteln. Aus eigener Kraft kann er nicht mehr leben, da, wie vorausgesetzt, die Ausfälle im Gehirn umfangmäßig - ,,Hirnausfall"( anstelle von ,,Hirntod") - dies nicht mehr ermöglichen. So vegetiert unser Patient weiter vor sich hin, den man nicht natürlich sterben läßt, weil man seine Organe haben will. Und dieser Zustand des Patienten zwischen Leben und Tod und nicht - wie behauptet - ,,nach dem Tode", dauert bis zur Stunde der Organentnahme. Diese erfolgt global und analog wie bei Sektionen, nur ist diesmal das Objekt nicht eine Leiche ---: Über den ganzen Rumpf ein Schnitt und Leber, Herz, Milz, Lungen‚ Nieren, alles lebend - frisch entfernt. - Das also ist der Tod der Spender. Empfänger sollten das nie vergessen, denn auch Spender sind Menschen !

So hat sich eine segensreiche Einrichtung wie die Intensivmedizin durch Verfremdung ihrer Techniken zu einem Trauma gewandelt, dessen grausame Züge immer deutlicher werden. Kranke, bislang mit Chance zu einem noch relativ humanen Sterben auf Intensivstation, werden an Transplantationszentren ausgeliefert, um dort unter schockierenden Bedingungen verwertet zu werden. Sie wissen nicht, was Ihnen bevor steht. Alles hängt am "Hirntod", alles drängt nach ihm, der Patient ist zum Organbehälter degeneriert. Er wird erst interessant, wenn er ,,hirntot" ist, dann kann man ihn entleeren. Ein bedrückendes Risiko lastet auf dem ahnungslosen Opfer: Wird die Hirntoddiagnose stimmen? ,,Sie gelingt mit absoluter Exaktheit und Sicherheit" heißt es in einem Werbeprospekt der Universität Erlangen gemeinsam mit dem LIONS Club, unterschrieben von drei Medizinprofessoren.

Dabei weiß heute jeder, daß der nicht für voll genommen wird, der Menschen und Elektronik für absolut sicher hält. So werden Menschen willfährig gemacht, den Hirn- ,,Tod", vom Klang schon her besonders geeignet, verkauft man ihnen als den Gesamttod des Menschen, Spender seien beim Organentnehmen ohnedies Leichen Von solchen Begriffsumfälschungen lebt heute die ganze Organverpflanzung, gaukelt den Menschen einen ,,künstlichen" Tod für den wahren vor ! - Ärzte wissen das und spenden nicht.

Was aber, wenn auch die Hirn- ,,Tod"- Diagnose nicht stimmt ?! Auf der Intensivstation kein existentielles Risiko für den Patienten, wie schon erläutert, bei Organentnahme aber eine latente Gefahr ! Schon 1981 erschien in der gesamten bundesdeutschen Presse vom 13. Januar eine Erklärung des Augsburger Politologen Hans Henning Atrott, --- heute werde in Kliniken ,,gezielt getötet", wenn Organe entnommen werden sollen ---. Was aber dann, wer weiß warum, wenn auch der Hirn- ,,Tod" nicht sauber diagnostiziert war ?! Die Verpflanzungsmedizin steht darüber, schweigt, nimmt alles billigend inkauf. Natürlich, Organe sollen gespendet werden, aber freiwillig, wenn es funktionieren soll, und nicht erschlichen oder - wie neuerdings - erzwungen !

Rechtswege, Selbsthilfe, Abhilfe

Mit Drucksache 395/78 (10.11.1978) verlangte der Deutsche Bundesrat von der Regierung einen Gesetzentwurf zur Strafbarkeit unzulässiger Sektion. - Ein Monat später erklärten Pathologensprecher, sie würden u.a. ,,lieber auf von Krankenhaus zu Krankenhaus unterschiedlichen Rechtsgrundlagen weiterarbeiten" (2O). - Der Pathologe Sandritter erklärte in (11), ,,jeden Tag werden uns /bei Sektionen die sogenannten (!) Erfolge einer invasiven Ingenieurmedizin vor Augen geführt --- und sehen uns damit dem Jariuskopf (Doppelgesichtigkeit) der Medizin gegenüber --- unser Kongreß wird die brennende Frage, ob die Medizin darf, was sie kann, nicht beantworten --- Kollegenschutzgründe halten - aber die Herren davon ab, die aus eigener Anschauung gewonnenen Erkenntnisse über von der modernen Medizin angerichteten Schaden der Öffentlichkeit zu berichten, von der sie bezahlt werden. - Ein kommendes Sektionsstrafrecht muß Pathologen vergattern, bei Sektionen erkannte Behandlungsfehler, ob strafbar oder schadenersatzpflichtig, per Gesetz zu melden. Bis dahin gilt aber immer noch die Straflosigkeit (per Strafrecht) klinischer Sektionen ohne Einwilligung des Verstorbenen oder der Hinterbliebenen, auch wenn u.U. der gesamte Leichnam wegen ,,wissenschaftlicher" - Auswertung verschwindet ! - Wer nicht seziert werden will, muß dies unbedingt im Krankenhaus selbst - oder über Beauftragte dokumentieren und zwecks Nachdruck eine ev. Hinterlegung dieser Verfügung bei Anwalt, Notar, Gericht u.s.w. bekanntmachen. Viele Krankenhäuser berücksichtigen solche Verfügungen noch, die Universität München z.B. aber nicht.

Hier könnte eine rechtzeitige gerichtliche ,,einstweilige Verfügung" mit Hilfe eines erfahrenen Anwalts weiterhelfen.

Wenn man im Leichenschauhaus nach Sargöffnung die verbotswidrige Verstümmelung des Verstorbenen erkennen muß, soll sofort Strafanzeige erstattet werden und notfalls weitergeführt über alle Ebenen der Staatsanwaltschaft bis zum Klageerzwingungsverfahren beim Oberlandesgericht. Erst ab hier braucht man einen Anwalt. Als Klagegründe kommen in Frage ,,Störung der Totenruhe, Leichenschändung, Körperverletzung (wegen des schweren seelischen Schocks am Sarge) u.s.w. - Ein Mitarbeiter unseres Verbandes hatte am OLG München einen Teilerfolg erzielt: Das OLG erklärte die Sektion für ,,rechtswidrig". Dieser Beschluß ist veröffentlicht in ,,Neue Juristische Wochenschrift' 39/1976 S.1805. Damit werden disziplinarrechtliche Vorgehensweisen gegen die Pathologen möglich, die ja Beamte sind. Dieser Beschluß läßt aber auch Wege erkennen, wie man evtl. doch strafrechtlich über das Delikt ,,Störung der Totenruhe" zum Erfolg kommt, nämlich wenn Teile des Verstorbenen statt ,, wissenschaftlich" kommerziell weggegeben werden ! - Schließlich bleibt dann noch der Weg zum Bundesverfassungsgericht (BVG); (Regeln beachten hierfür).

Wenn die Justiz durch Häufung der Verfahren die Empörung der Öffentlichkeit unabweisbar spürt, ergibt sich eine erhöhte Notwendigkeit für ein Sektionsstrafrecht In ähnlichen Fällen haben Angehörige im Ansturm ihrer Empörung die Zerschneidung ihrer verstorbenen Lieben durch persönliches Erscheinen in den Sektionsräumen von Pathologien verhindern sich auf äußersten rechtfertigenden Gewissensnotstand berufen können, § 34 StGB.

Eine weitere Abhilfe ist - wenn möglich - die Meidung von Sektionskrankenhäusern oder kranke Angehörige - aus solchen wieder rechtzeitig nach Hause zu schaffen oder zu verlegen.

Sie können auch eine innere Leichenschau nur unter von ihnen vorgegebenen Durchführungsbedingungen mit Überwachungsrecht gestatten.

Für eine gerichtlich angeordnete Leichenschau gelten diese Verhaltensangaben nicht, es sei denn, der Pathologe oder Arzt bedroht sie bei Sektionsverweigerung mit der ev. Eintragung ,,unnatürlicher Tod" als Sterbeursache auf dem Totenschein. (6). Hier müssen sie unverzüglich wegen ,,Bedrohung" Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstatten, um dem gegen sie gerichteten Hinterhalt zuvorzukommen, wenn die angedrohte Eintragung offensichtlich unredlich ist. Am besten nehmen sie einen Zeugen mit.

Ohne totale Sektion können Organe der Leiche wie die Hirnhaut (Dura), Gehörknöchelchen, Augenhornhaut, ev. auch Hypophyse u.s.w. entnommen werden, auf Wunsch unter Aufsicht der Spenderbeauftragten. Daß in den Pathologien nunmehr aber mit Leichenteilen Geld gemacht wird, vergiftet die Spendebereitschaft zum Nachteil von Kranken, für welche diese Organe von hohem Nutzen sind [sein können].

Für Herz, Lunge, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse allerdings kann man keine Leichen brauchen, also den Zustand, wie wir wissen, wenn man nach vermutetem Hirn- ,,Tod" die Lebenserhaltung abstellt und den Menschen sterben läßt. Leichen sind kalt, Organe aber braucht man frisch, sonst wachsen sie in einem fremden Körper nicht an !

Um dies zu erreichen, benützt die Organentnahme Methoden und Erkenntnisse der Intensivmedizin, aber nicht als Kriterium zur Einleitung des Sterbens, wenn der Tod des Kranken als unvermeidbar erkannt wird, sondern umgekehrt als eine Art Frischhaltemaschinerie für seine Organe zwecks deren späterer Entnahme. Diese erfolgt dann gründlich und natürlich lebendfrisch. Wie der Patient sich dabei befindet, interessiert niemand, der gilt ja als Leiche.

Dieser abenteuerliche Eingriff in die körperliche Unversehrtheit des Patienten an der Grenze zwischen Leben und Tod ist ein Akt vermessener Eigenmacht, der strafrechtlich noch zu würdigen ist, insbesondere, wenn der Patient mit solcher Behandlung nicht einverstanden war. Der Eingriff folgt, heißt es, dem Stand der Wissenschaft, sprich ,,der zur Zeit modernen Meinung der Schulmedizin" (Hackethal).

Das ist die ganze Legitimation (32).

Nun wird man fragen, wieso werden unter solchen Umständen überhaupt noch Spenderausweise unterschrieben ? Es ist Ahnungslosigkeit; Niemand weiß, was hinter den Mauern der Verpflanzungszentren wirklich passiert. Man weiß nur, daß nirgendwo so unkontrollierbar vertuscht, gelogen wird, wie in der Medizin, und wie denn dann erst im Umkreis von Sterbenden, mit denen man besonders leichtes Spiel hat, ab und zu sickert dann etwas durch, - über eine schlimme Sache, die herauskam, wird noch die Rede sein.

Die Spender unterschreiben, weil ihnen gesagt wird, daß sie ,,tot" seien, also eine Leiche, wie sie meinen. Auf diesem Glauben läßt man sie. Warum sollte man da nicht Organe spenden ?! Wir aber wissen, daß ein Organ entnommen wird bei Hirn- ,,Tod", also bei ,,Feststellung" einzig des Ausfalls wesentlicher Teile des Gehirns, alles andere wird lebendig gehalten, da ist man keine Leiche, darf keine sein, sonst funktioniert die Transplantation nicht. Dies wird dem Spender unterschlagen. Die Organentnahme erfolgt erst nach ihrem ,,Tode" - garantieren die Werbeschriften, und "der Hirntod ist der Tod des Menschen" (22), also bin ich bei ,,Hirntod" eine Leiche, interpretiert der Spender, da spüre ich sowieso nichts mehr. Man muß sich diese raffinierte Umfälschung richtig auf der Zunge zergehen lassen, dann begreift man, warum Spender so gutwillig unterschreiben. - Mit diesem Hirntodbluff aber funktioniert das Ganze. Dabei ist der Bluff selber nicht mal sauber. Der sogenannte Hirn- ,,Tod" ist kompliziert definiert. Aufwendigster Technik und Elektronik und Verfahren bedarf es, um der Theorie entsprechend den Hirntod zu messen. Aber hochkomplexe Meßtechnik liefert gelegentlich auch falsche Ergebnisse, ohne daß der Mensch es merkt. Das Risiko hierfür ist sogar berechenbar. In der Organspendewerbung verschweigt man sogar das (21) oder geht so weit, wie z.B. an der Universität Erlangen, von absoluter Exaktheit und Sicherheit (1), also Nullrisiko, zu sprechen, von Fehlern durch das Meßpersonal ganz zu schweigen. Und in der Fachpresse ist man sich nach wie vor uneinig über die Methoden und die Risiken ! (18)

So wiegt man die Öffentlichkeit über die heile Welt des Transplantierens in Sicherheit, erreicht, daß Spender willig werden, die Staatsanwaltschaften still halten und die Kirchen Lob aussprechen (19). — 1982 übrigens hat man sich ,,Erleichterungen" für die Hirntodfeststellung genehmigt (Bundesärztekammer) (22). Damit geht es schneller: Hubschrauber und ,,rote Mercedes" mit Hirntod - und Organentnahmeteams können nun von Transplantierzentren ausschwärmen in Provinzkrankenhäuser und Organe einsammeln. ,,Flächendeckendes Netz" heißt das (7) Hirntod - Meßgeräte dürfen entfallen. Wer das alles weiß, und trotzdem spenden will, der kann es tun. Es geht aber auch anders: Knüpfen sie ihre Zustimmung zur Organentnahme an die strikte Einhaltung der Bedingung, daß die Entnahme bis in's Detail exakt nach denselben Operationsmethoden erfolgt, wie die Organentnahme von einem Lebenden zugunsten eines nahen Verwandten. Gleichzeitig muß ihnen das Recht zugestanden werden, durch ihre Angehörigen, Freunde oder Bekannten zusammen mit Fachleuten deren Vertrauens die fachgerechte Durchführung der Operation und Narkose unmittelbar zu überwachen.

Oder:

Knüpfen sie ihre Zustimmung zur Organentnahme an die strikte Einhaltung der Bedingung, daß die Entnahme nur erfolgen darf, wenn eine für jedermann erkennbare vollständige mechanische Zerstörung der gesamten Urhirnsubstanz zur formlosen Nasse vorliegt. Die Entnahme darf erst erfolgen, wenn Angehörige, Freunde oder Bekannte zusammen mit Fachleuten ihres Vertrauens die geschilderte Art der Zerstörung bestätigen (schriftlich).

Nieren sind zur Zeit heiße Mangelware. Aber wäre nicht Aufklärung, wie man sich dieses Organ gesund erhalten kann, auf Dauer besser, wie Dr. Hanisch (23) meint ? Die Medizin löst dieses Problem auf ihre Art. Mit Barnard fing es an, jetzt droht ein Flächenbrand. Transplantieren ist ein hartes Geschäft mit dem Mitgefühl. Das Geschäft macht die Medizin (7), der Empfänger" ist das Objekt, das Mitgefühl aber

kommt vom Spender. Dafür ist er gesetzlich auch nicht geschützt. Ein Gesetzentwurf zu seinem Schutze (24) liegt zwar vor, wurde von der Bundesärztekammer aber am 11.1.1980 gestoppt. Die ,,Bemühungen" eines "Arbeitskreises Organspende" Neu-Isenburg seien abzuwarten (25).

Die Quittung dafür und die Ergebnisse liegen jetzt vor, wobei Schein und Wirklichkeit bis in Holocaustnähe auseinanderklaffen. ,,Es darf nur mit Organspendeausweis explantiert werden, vernichtet man ihn wieder, bleibt man verschont Man kann das Spendeorgan sogar vorschreiben" ! All diese Rechte und noch andere garantiert die Organspendezentrale in Neu-Isenburg (21). - Wie aber sieht der Alltag aus?

Weil Provinzkrankenhäuser nur zögernd transplantierbare Organe - sprich Menschen - an die Verpflanzungszentren melden (26), verlegt man gleich organtaugliche ganze Patienten dorthin, ,,potentielle" Organspender genannt. Dies aber nicht, um dort weiter um ihr Leben zu kämpfen, sondern um sie auf die Organentnahmen vorzubereiten, lange schon vor dem Hirn- ,,Tod"; dabei kommt es vor, daß Medikamente eingesetzt werden, die bereits auf eine Organspende abgestellt sind (17), z.B. ,,Antibiotika für potentielle Nierenspender", Therapie für Entnahme statt für Gesundung ! Auch wenn man die Patienten als hoffnungslose Fälle ansieht, ist ein Vorgehen dieser Art in Richtung auf ein geplantes Ende auf dem Organentnahmetisch menschlich, medizinisch und juristisch unannehmbar. - Dieses Berliner Beispiel von 1984 zur Nachahmung regte Prof. Siewert vom Münchner Universitätsklinikum Rechts der Isar an in einem Schreiben an die Bayerischen Landkreise. Er spricht darin bereits von potentiellen Multiorganspendern (30) !-

Des weiteren wurde in Berlin eine ,,Dienstanweisung" bekannt (17) eines Verpflanzungszentrums (Steglitz:), worin es heißt: Punkt eins, schon bei Verdacht auf Hirntod. - gleichzeitig Information der Transplantationsgruppe ! Dann erst, unter ferner liefen, Aufklärung und Befragung der Angehörigen. Sind sie nicht einverstanden, kann §34 StGB, rechtfertigender Notstand für eine Organentnahme, ohne Zustimmung in Anspruch genommen werden (17). Dies ist Organspendezwang indirekt !

Geheimgehaltene Organentnahmen also -, auch das hat sich seit langem eingeschlichen. Das geht so: Man nimmt zuerst die Organe für die Verpflanzungen heraus, heimlich, mit all den Problemen und Risiken für den hier aber unfreiwilligen Spender. Dann richtet man die Leiche so her, als ob nur eine Sektion stattgefunden hätte, [...] und niemand merkt etwas.

Ingrid Zekorn aber merkte doch etwas, die Familie hatte nämlich die Sektion untersagt ! Als Frau Zekorn am Friedhof das Leichentuch zurückschlug, merkte sie mit Entsetzen den Betrug. Sie bohrte nach und erfuhr von der verbotenen Herzexplantation. Es gab Strafanzeigen gegen die Chefs von Klinik und Pathologie der Univ. Düsseldorf. Ihr im Februar 1983 verstorbener Bruder bat sie kurz vorher inständig, die Ärzte beim Sterben von ihm fernzuhalten (27,28). -

Ende August 1986 erlitt der Inder Sikh Jhalman Singh vom Asylantenheim Passau bei einem Unfall schwerste Verletzungen. auf Veranlassung von Prof. N. Fischer wurde am Opfer zwei Stunden nach dem klinischen Tod ohne jede Zustimmung eine Multiorganentnahme für Transplantationszwecke vorgenommen. Nach Angaben der Klinik habe die Staatsanwaltschaft ,,wegen dringenden Organbedarfs" keine Einwände gehabt. Diese wies die Unterstellung einer Erlaubniserteilung als falsch zurück (Presse 2.9.86). ,,Bei einem Deutschen hätten wir genau so gehandelt", erklärte der Chef der Chirurgie (17). -

Mutter Greinert hatte im März 85 für ihren Christian der Entnahme nur eines Organs zugestimmt. Insgeheim wurde daraus eine Muliorganentnahme. Prof. Pichlmayr's Erklärung dazu kennen wir ja schon. Auch hier gab es eine Strafanzeige. (17).

Multiorganentnahmen (auf gut deutsch ,,Totalausschlachtungen") werden stillschweigend an vielen deutschen Kliniken praktiziert (17).- "Sie können ,,nur bestimmte" Organe für die Entnahmezustimmung aussondern", versprach die Neu-Isenburger Zentrale. Wie vereinbart sich das mit der Praxis?

Die Neu-Isenburger Garantien haben sich samt den Spendeausweis - Zusagen als Seifenblasen entpuppt, ihre Mißachtung hat die Zentrale vor der Öffentlichkeit nicht einmal angeprangert. Dieser Garantiebruch richtet sich auch gegen den Staat. Nie hätte der Rechtsausschuß des Deutschen Bundestages am 11.1.1980 auf Empfehlung der Bundesärztekammer den Stopp des Spenderschutzgesetzes befürwortet ohne Vertrauen in Verheißungen, man wolle den Spenderschutzzweck des Gesetzes einstweilen stellvertretend auf dem Wege über Selbstkontrolle verwirklichen ---

Inzwischen formiert sich das Unbehagen der Öffentlichkeit über die Mißstände. Die Medien interessieren sich zunehmend auch für Spender und was ihnen zugemutet wird. Es wird erkannt, daß § 34 StGB - rechtfertigender Notstand - zur Umgehung der Organspendeeinwilligung mißbraucht wird, um bei verbotenen Organentnahmen (Raubchirurgie) den Anschein von Legalität vorzuspiegeln. Juristen wie C. Roxin (29) oder der ehemalige Verfassungsrichter W. Geiger weisen eindeutig und sogar ,,entsetzt" (17) darauf hin, daß alle entnommenen Organe zunächst an auswärtige Zentralen zur Einlagerung gehen, somit die vom Gesetz vorgeschriebene ,,Unmittelbarkeit" des rechtfertigenden Notstandes §34 ( jeder kann das nachlesen) gar nicht vorliegen kann, §34 rechtlich hier also gar nicht anwendbar ist.- Aber auch die Krankenkassen regen sich: So reagierte Hans Sitzmann,. Direktor der bayerischen Ortskrankenkassen (AOK) mit Empörung darauf, daß Menschen, die in kleinen Krankenhäusern auf der Intensivstation liegen und deren Tod zu erwarten sei, in Universitätskliniken verlegt werden sollten, um dort sofort nach ihrem Tod " ausgenommen " zu werden" (wie Prof. Siewert anregt). " Die Organspendebereitschaft in der Öffentlichkeit werde dadurch arg in Mitleidenschaft gezogen.

Schlußfolgerungen

Jeder operative Eingriff in die körperliche Unversehrtheit ist ohne Genehmigung des Patienten Körperverletzung. Deshalb besteht Aufklärungspflicht - wahrheitsgemäß - über die Art der Eingriffe und die Risikohöhe. Der Patient kann dann die Gefahren gegen den für sich selbst erwartbaren Nutzen des Operationswagnisses abwägen.

Der Organspender muß dagegen den für einen - ihm unbekannten - Organempfänger erwartbaren Nutzen gegen die Gefahren für sich selbst abwägen. Unvergleichbar höher ist deshalb sein Recht, die volle Wahrheit über alle Umstände der Organentnahme zu erfahren. Nichts darf verschleiert werden. Er allein entscheidet, ohne Bevormundung durch Fremdinteresse, ob Umstände wie die Tatsache, daß er bei der Lebendorganentnahme keine Leiche sein kann oder daß die Hirntodanalyse nicht ,,absolut sicher" sein kann, für ihn ein Kriterium für oder gegen diese Art von Organspende sein können. - Dies gilt auch gegenüber Angehörigen.

Niemand darf zum Nutzen anderer gezwungen werden, weder mit List noch Gewalt, die unbekannten, kaum abwägbaren Risiken im Grenzbereich zwischen Leben und Tod bei einer Lebendorganentnahme gegen seinen Willen zu ertragen. Spenderrecht geht vor Organentnahme.

In den angeführten Beispielen wurde dagegen verstoßen. Die Schuldigen hätten nach den Strafbestimmungen des Entwurfs zum Bundes - Transplantationsgesetz mit Geld- oder Gefängnisstrafen bis zu drei Jahren rechnen müssen. Ihre Berufsorganisation hat sie einstweilen davor bewahrt. - Wir aber müssen uns selbst helfen‚ jeder kann betroffen sein. Analoge Anwendung der zu ,,Rechtswege bei Sektionen" gegebenen Hinweise empfiehlt sich für's erste auch hier. Allerdings dürfte dabei neben rechtfertigendem Notstand auch Notwehr als Rechtfertigungsgrund gegebenenfalls nicht mehr auszuschließen sein.

Quellen - Angabe (für Referat ,,Ärztewillkür ---)

(1) Rechtliche Regelung der Sektion. Dt. Ärztebl.23/1980
(2) N. Stolte: Umstritten aber notwendig. FAZ. 70/1980
(3) G. Pließ: Ärztl. Verschwiegenheit --- Ärztl. Praxis 95/1976
(4) J. Kracht: Qualitätssicherung in Pathol.- Zentr. Path. Uni. Gießen 78(?)
(5) G. Dotzauer: Mors in tabula. Prakt. Anästhesie 13/1978
(6) Pathologie in der Krise. Med. Tribune 4/1980
(7) Ärztefehler. Fischer Taschenbuch Nr. 4263 (1985)
(8) BILD, Hamburg, 5.3.1982
(9) Juristenzeitung JZ 1971 S. 56 ff.
(10) Es wird kaum noch seziert. Path. Anat. Koll. 78. Dt. Ärztebl.1/1979

(11) W. Sandrittor: Das Selbstverständnis d. Path. 62. Tagg. Dt.Ges. Path.
(12) M.S. : Presserummel um Pathologie. Medical Tribune 16/1982
(13) Experimente und Handel mit Leichenteilen Spiegel 14/1985
(14) Zwergwuchs: Tod aus der Spritze ? Spiegel 19/1985
(15) W. Spann: ADAC - Motorwelt 7/77
(16) Organentnahme bei Jedermann. ARD—Report 21.1.86 (S. Matthies)
(17) S. Matthies: Organspende. - ARD - Bilder der Wissenschaft 2.11.86
(18) Kriterien des Hirntodes. Dt. Ärztebl. 16/1987
(19) F. Zastrow u.a. : Vorauss. u. Vorgehen bei Nierensp:.Dt.Ärztebl.39/8O
(20) Pathologen beklagen Rückgang der Autopsien. Der Arzt 12/78

(21) Antworten auf Fragen. Arbeitskreis Organspende - Neu-Isenburg Dez.84
(22) H. Krautkrämer: Kriterien des Hirntods. Umschau 12/1982
(23) W. Hanisch: Die Nieren sind in Gefahr. Erlanger Nachr. 16.1.1987
(24). Deutscher Bundesrat Drucksache 395/78 (29.9.1978)
(25) Deutscher Bundestag Drucksache 9/828 (18.9.81) : FDP- Anfr. MdB Schmidt
(26) Krankenhäuser sollen Organe melden. Erlanger Nachr. 7.5.1985
(27) Streit um menschliche Ersatzteile Quick 52/1984
(28) Die Toten finden keine Ruhe. BILD München - Serie (11.11.1985)
(29) U. Roxin: Organtrapla. in rechtl. Sicht. Kathol. Akademie 3/4(1977)
(30) Zum Sterben in die Uni ? Erlanger Nachr. 26.11.1986

(31) Klinikskandal in München. Neue Revue 35/22.8.1986
(32) Anhörung Transpl.- Gesetz Dt. Bundestag, Rechtsausschuß Prot. 76 (24.9.1979)

SÜDWESTRUNDFUNK

SWR2 Wissen – Manuskriptdienst

 

Über Leichen

Wie menschliche Überreste gewonnen und verwertet werden

 

Autorin: Martina Keller

Redaktion: Detlef Clas

Regie: Iiris Arnold

Sendung: Montag, 22. September  2008, 8.30 Uhr, SWR 2

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Bitte beachten Sie:

Das Manuskript ist ausschließlich zum persönlichen, privaten Gebrauch bestimmt.

Jede weitere Vervielfältigung und Verbreitung bedarf der ausdrücklichen

Genehmigung des Urhebers bzw. des SWR.

 

Mitschnitte auf CD von allen Sendungen der Redaktion SWR2 Wissen/Aula

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Besetzung:

Sprecherin

Übersetzerin

 

 

O-Ton Ingra Kovalevska:

 

Übersetzerin:

Am 19. Juni gegen 16 Uhr nachmittags kam ich zusammen mit meinem Sohn in unsere Wohnung ...

 

(Atmo Küche)

 

Sprecherin:

Inara Kovalevska ist Lehrerin in Riga, der Hauptstadt Lettlands.

 

O-Ton Inara Kovalevska:

 

Übersetzerin:

Als wir beide, mein Sohn und ich, das Wohnzimmer betraten, waren wir völlig schockiert. Mein Mann hatte immer gesagt, dass er nicht weiterleben wolle, aber er hatte auch immer gesagt, ich kann es nicht tun, ich habe nicht genug Kraft dazu.

 

Sprecherin:

Als Inara Kovalevska an jenem Sommertag 2002 ihre Wohnung betrat, hatte sich ihr Mann Gunars erhängt. Inara schrie um Hilfe und versuchte ihren damals sechsjährigen Sohn aus dem Zimmer zu drängen. Sie wollte ihm den Anblick des am Strick hängenden Vaters ersparen. Doch keiner der Nachbarn kam, Inara war auf sich gestellt. So schnitt sie ihren Mann mit einem Küchenmesser selber vom Seil und fing ihn in ihren Armen auf.

 

O-Ton Inara Kovalevska:

 

Übersetzerin:

Ich habe ihn massiert, ich habe ihn geschlagen, ich habe geweint, geschrieen, gebetet, ich habe alles gemacht, um ihn ins Leben zurückzurufen, ich dachte er kann noch leben.

 

Sprecherin:

Doch weder Inara noch der herbeigerufene Notarzt konnten Gunars retten. Der 41-Jährige litt unter Depressionen, schon zehn Jahre zuvor hatte er erstmals versucht sich das Leben zu nehmen. Wie bei Selbsttötungen üblich, wurde Gunars’ Leichnam in das rechtsmedizinische Zentrum von Riga gebracht; durch eine Autopsie sollte ausgeschlossen werden, dass er durch fremde Hand getötet wurde. Inara ging am Tag nach dem Tod ihres Mannes dorthin. Sie fragte einen Mitarbeiter, ob es möglich wäre, Gunars’ Mutter einen Wunsch zu erfüllen. Die alte Frau wollte ihrem Sohn einen letzten Liebesdienst erweisen, ihn nach katholischem Brauch in Lettland waschen und festlich einkleiden.

 

O-Ton Inara Kovalevska:

 

Übersetzerin:

Und dann sagte er, die Mutter weiß nicht, wonach sie fragt, die Leiche sieht ziemlich schlimm aus, und den Anblick könnte sie nicht ertragen.

 

Sprecherin:

Damals ahnte Inara nicht, welche Wahrheit in diesen Worten steckte. Die Familie sah den Verstorbenen erst am Tag des Begräbnisses wieder, vom Bestatter angekleidet und aufgebahrt im offenen Sarg, der tote Körper scheinbar unversehrt.

Ein Jahr später erhielt Inara eine Vorladung der lettischen Sicherheitspolizei. Eine Beamtin teilte ihr mit, dass der Leiche ihres Mannes Gewebe entnommen worden sei, vor allem Knochen, Knorpel und Sehnen. Insgesamt ermittele die Polizei in 400 Fällen. Und noch etwas erfuhr Inara Kovalevska: Die Körperteile der lettischen Toten waren nach Deutschland geliefert worden.

 

O-Ton Inara Kovalevska:

 

Übersetzerin:

Dieser Mensch, der war doch eine Persönlichkeit, diese Hände, die haben doch jemanden gestreichelt und diese Persönlichkeit war jemandem sehr lieb. Und als Katholikin glaube ich fest an die Auferstehung.

 

Sprecherin:

Inara ist seit dieser Nachricht in psychotherapeutischer Behandlung.

 

O-Ton Inara Kovalevska

 

Übersetzerin:

Ein Mensch, der hat doch eine gewisse Würde und ich glaube, es ist einfach unmenschlich, ihn nach seinem Tod zu einem Gut oder einer Ware zu machen. Ich kann diesen Gedanken nicht annehmen, dass Teile eines Menschen nach Deutschland geliefert werden, und dort wird sortiert, was brauchbar ist und was nicht brauchbar ist, und die unbrauchbaren Teile werden einfach zu Müll.

 

Ansage:

Über Leichen. Wie menschliche Überreste gewonnen und verwertet werden. Eine Sendung von Martina Keller.

 

O-Ton Karl Koschatzky:

Es gibt die alte Firma Pfrimmer, die im Wundversorgungsgebiet tätig war seit dem Jahr 1919, als Nahtmaterialhersteller. Aus der Firma heraus sind wir entstanden, ausgegliedert worden über verschiedene Vorläuferfirmen und haben uns im Verlauf dieses Prozesses in über 30 Jahren spezialisiert auf die Herstellung von Transplantaten, aber auch Implantaten aus humaner oder aus tierischer Herkunft.

 

Sprecherin:

Alltagsgeschäft der Tutogen Medical GmbH in Neunkirchen bei Erlangen. Neun Jahre lang, von 1994 bis 2003, lieferte das rechtsmedizinische Zentrum in Riga der Firma und ihrer Vorgängerin Biodynamics International menschliche Rohstoffe. Tutogen braucht sie für seine Knochenproduktion. Die Firma beschäftigt 140 Mitarbeiter, vorwiegend Näherinnen, Mechaniker und Dreher – und sie expandiert.

Karl Koschatzky ist Geschäftsführer von Tutogen Medical. Schon seit einem Vierteljahrhundert ist er bei der fränkischen Firma und ihren Vorgängern beschäftigt.

 

O-Ton Karl Koschatzky:

Am menschlichen Körper gibt es im Prinzip zwei Typen von Knochen, das ist der Schwammknochen, Spongiosa, oder es gibt den kompakten Knochen, wie er ... im Oberschenkelschaft vorkommt. Daraus können Sie verschiedene Gewebeformen, -zubereitungen machen, zum Beispiel als klein gemahlenes Füllmaterial oder als Formkörper bestimmter Abmessung, zur Stütze einer Wirbelsäule oder zur Heilung einer Fraktur oder auch zum Auffüllen einer Kieferwand und ähnliches ... Es gibt eine Unzahl von Anwendungsmöglichkeiten ... und das haben wir ungefähr zwischen 200 bis 400 verschiedene Artikel in Anführungszeichen auf Lager.

 

Sprecherin:

Tutogen liefert seine Transplantate von Deutschland aus in rund 40 Länder.

 

Atmo Klackern

O-Ton Karl Koschatzky:

Das sind einfach so Möglichkeiten, die wir haben …

 

Sprecherin:

Koschatzky geht ins Nebenzimmer und holt einen Kasten mit Produktmustern.

 

O-Ton Karl Koschatzky:

Das zum Beispiel ist ne Kniescheibe, die ist bereits prozessiert, und aus der kann man dann so Dübel oder Blöcke machen, die man in der Wirbelsäule einsetzt. ... und dann können sie natürlich langsam anfangen, etwas kompliziertere Teile zu machen, so was  zum Beispiel, das ist also ein hufeisenförmiges Implantat für die Wirbelsäule, das man von vorne durch den Bauch in die Wirbelsäule reintut, ...

 

Sprecherin:

Elfenbeinfarben, glatt oder porös liegen die zurechtgefrästen Teile aus menschlichem Knochen in dem Kasten. Die Leiche ist zu einem begehrten Rohstoff geworden. Längst hat die sogenannte Gewebespende die Organtransplantation an Bedeutung überholt. Nur rund 4500 Patienten erhalten in Deutschland jährlich ein neues Organ, doch mehrere Zehntausend profitieren von der Verpflanzung kleiner oder großer Einzelteile. Fast alles von einer Leiche lässt sich verwerten, so auch die Knochen, Knorpel und Sehnen.

 

O-Ton Karl Koschatzky:

Das ist mit ner CNC-Maschine hergestellt und kann man da oben zervikal einsetzen an der Halswirbelsäule. Das sind Schrauben, Knochen Pins, ... alles aus Knochen. .... Das ist ein Dübel, den man im Prinzip einsetzen kann in der Wirbelsäule, durch einfache Bohrungen reinsetzen kann.

 

(Atmo Klackern)

 

Sprecherin:

Die Gewebetransplantation ist ein lukratives Geschäft. In den USA summiert sich der Erlös aller Körperteile aus einer einzigen Leiche auf 230.000 Dollar und mehr. In Deutschland organisieren neben kommerziellen Unternehmen wie Tutogen Medical vorwiegend gemeinnützige Einrichtungen die Gewebespende, doch das heißt nicht, dass Gewinnstreben ausgeschlossen sein muss.

Neben den Herstellern verdienen auch die Weiterverkäufer. So offeriert die Medpex Versandapotheke im Internet Tutoplast Fascia lata – so heißen die aus der Muskelhaut des Oberschenkels gefertigten Transplantate der Tutogen Medical GmbH. Ein Streifen von zwei mal 30 Zentimeter Länge kostet 967,18 Euro – da hat auch die Versandapotheke gut verdient. Doch ohne Rohstoffe kein Geschäft. Tutogen Medical verarbeitet jährlich die Körperteile von 500 bis 1000 Spendern. Frage an Karl Koschatzky: Woher stammen diese Gewebe?

 

O-Ton Karl Koschatzky, Martina Keller:

Hm, also ich geb eigentlich keine Auskünfte über Rohmaterialien, Sie werden vermutlich auch von der Firma Bayer keine Auskünfte bekommen, wo sie ihr Aspirin kauft.

Keller: Sie haben auch aus Lettland Gewebematerial bezogen, können Sie vielleicht mal erklären, wie es zu der Zusammenarbeit kam?

Koschatzky: Es gibt Kongresse der Rechtsmedizin. Man trifft sich und man spricht dort, und da haben wir halt einen Kontakt gehabt, ... und haben halt eine Zusammenarbeit irgendwann einmal begonnen ...

Keller: In Lettland gab es ...

Koschatzky: Ich gebe keine Auskunft mehr über Lettland, weil, das sehe ich nicht ein

Keller: Das ist aber eine wichtige Frage.

Koschatzky: Ich wüsste nicht warum.

Keller: Ich hab aber einen konkreten Fall, ich hab dort zwei Angehörige von Verstorbenen gesprochen, und eine dieser ...

Koschatzky: Ich denke, wir beenden das jetzt, das zielt auf was ganz andres, als was sie ursprünglich hier waren ... ich bin kein Ethikspezialist. Punkt aus.

 

Sprecherin:

Die Gewebetransplantation ist ein aufstrebender Medizinsektor, die Zahl der Anwendungen kaum noch überschaubar: Hornhäute können Patienten das Augenlicht bewahren, Herzklappen sind bei schweren Entzündungen der Herzinnenhaut mitunter lebensrettend. Knochenblöcke oder -pasten werden verwendet, um Defekte im Skelett aufzufüllen, beispielsweise an der Wirbelsäule. Manchmal wird auch ein kompletter Knochen im Stück verpflanzt, um nach einem Unfall eine Amputation zu verhindern. Leichenhaut kann als vorläufiger Wundverband bei schweren Brandverletzungen vor Flüssigkeitsverlust und Infektionen schützen. Nicht alle Anwendungen dienen jedoch ausschließlich medizinischen Zwecken. Die Entscheidung zwischen Gebiss und Implantat ist zumindest teilweise auch eine kosmetische Frage. Bei vielen Patienten, die Implantate gesetzt bekommen, wird zunächst der Kieferknochen aufgebaut – zum Beispiel mit Leichenknochen.

Seit August 2007 gibt es ein Gesetz, das den Sektor Gewebemedizin neu ordnen soll. Am rechtsmedizinischen Institut der Hamburger Universitätsklinik hat man sich frühzeitig auf die Lage eingestellt.

 

O-Ton Christian Braun:

Wir haben sie schon etwas vorbereitet, haben den Tisch gesäubert, haben die Verstorbene auf den Tisch gelegt, haben dann mit verschiedener Art und Weise desinfiziert, wobei wir hier nicht unter OP-Bedingungen arbeiten, wir versuchen sehr sauber zu arbeiten, aber das ist trotz alledem ein Sektionssaal, und den kriegt man nicht steril, wir arbeiten hier nicht wie die Chirurgen im OP.

 

Sprecherin:

Selbst am zweiten Weihnachtstag ist in der Rechtsmedizin ein zweiköpfiges Team im Einsatz. Auf dem Sektionstisch liegt die Leiche einer 90-jährigen Frau. Sie ist nackt, nur Kopf und Rumpf sind mit Tüchern abgedeckt.

 

O-Ton Christian Braun:

Was wir bei ihr an Gewebe entnehmen werden, ist nicht sozusagen das volle Programm, das wir machen, weil sie aufgrund ihres Alters schon so ist, dass man sagt, man kann nicht jedes Gewebe hernehmen, weil es erfahrungsgemäß schon etwas degeneriert ist, das heißt wir nehmen die Oberarmknochen, wir nehmen die Oberschenkelknochen, wir nehmen die Schienbeine und von dem Fußknochen nehmen wir auch noch einen und wir werden versuchen, das müssen wir schauen, ob wir das nachher schaffen, auch vom Beckenknochen ein Stück noch zu nehmen.

 

Sprecherin:

Christian Braun ist Rechtsmediziner im Hamburger Universitätsklinikum. An seiner Seite arbeitet der Präparator Jürgen Brillinger, er hat schon einige 1000 Leichen seziert.

 

O-Ton Christian Braun:

Vom Beckenkamm bis zum Innenknöchel haben wir jetzt einen Schnitt über das gesamte Bein gemacht, um uns den Zugang zu ermöglichen, jetzt präparieren wir hier schichtweise erst die Haut und das Unterhautfettgewebe weg bis auf den Muskel. Wenn diese Dame jetzt jünger wäre, müsste ich auch hier an der Außenseite vom Oberschenkel sehr aufpassen, weil wir dann auch die sogenannte Fascia lata noch entnehmen würden, das ist eine bindegewebige Platte, die an der Außenseite des Oberschenkels zu finden ist, die man auch hernehmen kann für verschiedene Zwecke, zum Beispiel zur Deckung von Wunden.

 

Sprecherin:

Die Frau wurde am Vortag tot in der Wohnung gefunden. Da der Hausarzt über die Feiertage nicht zu erreichen war, um einen natürlichen Tod zu bescheinigen, brachte man sie in die Rechtsmedizin. Bei der 90-Jährigen waren die äußeren Bedingungen für eine Gewebeentnahme günstig: eine schnell gekühlte Leiche, an Vorerkrankungen nur Alzheimer und ein Lungenleiden bekannt.

 

O-Ton Christian Braun, Martina Keller

Hier habe ich die Kniescheibe, jetzt öffne ich hier das Knie. (zu MK) Ihnen geht’s noch gut? – Äh, ja

Sie können auch gerne den Hocker nehmen, wenn Sie sich hinsetzen wollen. So, jetzt sieht man hier die Menisken und die Kreuzbänder, vorderes Kreuzband und hinteres Kreuzband, die schneide ich jetzt einfach durch ...

 

Sprecherin:

Bis zu 3500 Leichen gelangen jährlich in das Institut für Rechtsmedizin der Hamburger Universitätsklinik. Etwa ein Zehntel davon kommt für die Gewebespende infrage. Doch nach den Erfahrungen des ersten Jahres stimmen die Angehörigen nur in 14 Prozent der Fälle einer Explantation, also einer Organ- und Gewebespende, zu. Bei der oft lebensrettenden Organverpflanzung sind es fast zwei Drittel, die zustimmen. Die Hamburger Rechtsmediziner wollen die Gewebespende in der Öffentlichkeit bekannt machen. Die Unternehmenskommunikation der Universitätsklinik soll dabei helfen. Doch wie wirbt man für Körperrecycling, wenn Firmen mit aufgearbeiteten Geweben Geld verdienen dürfen? Und wenn es eher selten um Leben oder Tod geht, häufig jedoch um eine bessere Lebensqualität und mitunter auch um Lifestyle-Fragen?

 

O-Ton Klaus Püschel:

Wenn ein Mensch mit einer ... Hornhautverletzung, der nicht mehr Zeitung lesen kann, oder nicht mehr Fernsehen gucken kann, oder sich im Verkehr nicht mehr richtig orientieren kann, dann wieder richtig sehen kann, dann ist das in Bezug auf sein Leben eine entscheidende Verbesserung, ich würde das durchaus vergleichen mit einer Nierentransplantation bei einem dialysepflichtigen Patienten.

 

Sprecherin:

Klaus Püschel ist Direktor am Hamburger Institut für Rechtsmedizin.

 

O-Ton Klaus Püschel:

Denken Sie an Hautübertragungen bei schwer Brandverletzten, das kann durchaus lebensrettend sein, und wenn sie bei einem kleinen Kind einen großen Bauchdeckendefekt schließen können mit einer Sehnenplatte von einem Verstorbenen, dann ist das für die Lebensqualität des Kindes von erheblicher Bedeutung. Also die Gewebetransplantation wird da vielleicht nicht ausreichend wertgeschätzt, ich persönlich stehe sehr nachhaltig dahinter und sag, das sollte ähnlich engagiert betrieben werden wie die Organtransplantation.

 

Sprecherin:

Klaus Püschel hat deshalb am Institut für Rechtsmedizin ein straffes Management für die Gewebeentnahme eingeführt. Schon seit langem wurden in Hamburg Augenhornhäute entnommen und an die klinikeigene Gewebebank weitergeben. Ein Jahr vor Inkrafttreten des Gewebegesetzes im August 2007 begann man, mit einem gemeinnützigen pharmazeutischen Hersteller in Berlin zu kooperieren. Das Deutsche Institut für Zell- und Gewebeersatz – kurz DIZG – bekommt seither von der Rechtsmedizin Knochen, Sehnen, Muskelhüllen und neuerdings auch Leichenhaut.

Das Hamburger Projekt Gewebespende ist noch in den Anfängen. Zunächst wurde der Prozess der Entnahme am Universitätsklinikum selbst organisiert. Dann folgten Vereinbarungen mit den pathologischen Instituten der großen Hamburger Krankenhäuser. Doch Klaus Püschel denkt weiter.

 

O-Ton Klaus Püschel:

Letztlich habe ich schon die Vorstellung, dass auch die Möglichkeit besteht, bei Verstorbenen ganz allgemein hier im Raum Hamburg das Angebot zu machen, dass Gewebe für Transplantationszwecke zur Verfügung gestellt wird, dafür müsste man dann einen Apparat aufbauen, der bei allen Verstorbenen tatsächlich diese Möglichkeit bekannt macht ... Und wenn man sich klarmacht, dass wir für Gewebetransplantationen Spender bis 90 Jahre haben können, ... dann würde man auch bei einem normalen Herzinfarkt, der sich zu Hause ereignet, den Verstorbenen in das System einsteuern können.

 

Atmo Sektionssaal

 

O-Ton Christian Braun:

Können Sie hier mal versuchen, die Beinvene darzustellen, Herr Brillinger, damit wir da noch mal Blut rausbekommen? So, das hier ist dann der Unterschenkelknochen, das Schienbein links.

 

Sprecherin:

Christian Braun müht sich, Blut aus der Leiche zu gewinnen, es wird später im Labor auf infektiöse Krankheiten getestet. Diese Maßnahme soll verhindern, dass Patienten verseuchte Gewebe eingepflanzt bekommen. Doch das Herz der Verstorbenen steht still, und damit auch das Blut in ihren Adern.

 

Atmo, Spritze hängt vorne dran

 

O-Ton Christian Braun:

So, stopp, das ist so’n bisschen ein Geduldsspiel.

Notfalls müssen wir gucken, dass wir noch ein bisschen Herzblut bekommen

Okay, so Milliliter für Milliliter füllt sich hier die Spritze

 

Sprecherin:

In Deutschland gibt es bislang drei pharmazeutische Hersteller von Knochenprodukten. Das DIZG, Tutogen Medical und die Berliner Universitätsklinik Charité. Daneben existieren Hunderte von klinikeigenen Knochenbanken. Die genaue Zahl kannte lange Zeit niemand – wie überhaupt viele Fakten zur Gewebespende im Dunkeln lagen. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden listet zwar minutiös auf, wie viele Jungmasthühner im Jahr produziert wurden, als Ganzes mit Innereien und Hals, als Ganzes ohne Innereien und Hals, zerteilt, tiefgefroren oder lebensfrisch. Doch niemand wusste bislang, wie viele Herzklappen, Knochen oder Gefäße von Leichen in Deutschland jährlich gewonnen und transplantiert werden, wie viele darüber hinaus gebraucht und welche Produkte aus dem Ausland nach Deutschland eingeführt werden. Das soll nun anders werden. Das Gewebegesetz verspricht mehr Sicherheit und Transparenz. Mit der Transparenz ist es allerdings so eine Sache.

 

O-Ton Brigitte Tag:

Wenn der Laie dieses Gesetz aufschlägt, allein wenn Sie die Ergänzungen zum Arzneimittelgesetz (AMG) sehen, und das AMG war bis dahin schon eine Materie, die sehr, sehr schwierig ist, und jetzt sieht man Paragraphen, die bis zu 30 Absätze haben und diese Paragraphen werden ergänzt, z. B. §4 durch §4a, dann sieht man, dass der Gesetzgeber sehr umfassend gearbeitet hat, aber ein Stück weit auch sehr umständlich, und das hat zur Folge, dass dieser rote Faden, das worum es eigentlich geht, für den Laien kaum noch aufzufinden ist.

 

Sprecherin:

Brigitte Tag ist Jura-Professorin in Zürich und Spezialistin für Fragen des Umgangs mit der Leiche. Sie hat an der Autopsie-Richtlinie der Bundesärztekammer mitgearbeitet.

 

O-Ton Brigitte Tag:

Man muss sich überlegen, wozu werden diese Gesetze gemacht, ... es geht doch auch darum, den Menschen zu verdeutlichen, dass die Spende von Organen, von Geweben für andere lebensrettend sein kann. Wenn Sie dieses Gesetz lesen, dann kommt beim normalen Menschen, sage ich, der juristisch keine besondere Ausbildung hat, sofort der Gedanke auf, hier wird etwas verschleiert, ich versteh es nicht mehr, und das hat zur Folge eine Rückzugsmentalität.

 

Sprecherin:

Mittlerweile hat der Gesetzgeber den Gesetzestext ein wenig übersichtlicher gestaltet. Der Kern der Bestimmungen: Sämtliche Gewebe und Zellen werden den strengen Auflagen des Arzneimittelgesetzes unterstellt. Wie die Organspende bleibt die Gewebespende unentgeltlich, ein selbstloses Geschenk der Verstorbenen. Denn internationale Konventionen und auch das deutsche Transplantationsgesetz verbieten die Kommerzialisierung des menschlichen Körpers. Allerdings gilt das Kommerzialisierungsverbot nur für gering verarbeitete Gewebezubereitungen, Herzklappen zum Beispiel oder Augenhornhäute. Wenn Gewebe hingegen industriell hergestellt werden, wie etwa Knochen und Sehnen, müssen die Hersteller für ihr Produkt beim Paul-Ehrlich-Institut in Berlin eine Zulassung beantragen, wie für ein x-beliebiges Medikament. Erst wenn diese Hürde genommen ist, dürfen sie mit ihren Produkten handeln.

 

O-Ton Brigitte Tag:

Die Entscheidung des Gesetzgebers ist ganz eindeutig. Dadurch, dass es dem Arzneimittelgesetz unterstellt ist, ist natürlich die Gewinnspanne ermöglicht, was nicht per se negativ sein muss. Eine gewisse Gewinnspanne kann auch dafür sorgen, dass die Sicherheitsstandards sehr hoch sind und dass es entsprechend umgesetzt und eingehalten wird, aber der Hintergrund ist schon auch ... die Ausnahme vom Kommerzialisierungsverbot, so dass ein Stück weit – nun, ich möchte nicht sagen, der Körper kommerzialisiert wird, er ist schon kommerzialisiert – aber es wurde legitimiert in diesem Bereich.

 

Sprecherin:

Gewebe ist ein begehrtes Gut, und die Nachfrage nach Rohmaterial wächst. Doch die Ärzte in Deutschland können nicht nach Belieben auf Verstorbene zugreifen. Das Persönlichkeitsrecht setzt der Gewebeentnahme Grenzen. So garantiert das Grundgesetz das Recht auf Selbstbestimmung. Es gilt – innerhalb sittlicher Schranken – über den Tod hinaus. Ähnlich wie ein Mensch in seinem Testament über sein Vermögen verfügen darf, bleibt es ihm freigestellt, den Umgang mit seiner Leiche zu regeln. Gewebe darf folglich nur entnommen werden, wenn der Verstorbene dem zu Lebzeiten zugestimmt hat – oder nach seinem Tod stellvertretend die Angehörigen.

Viele andere Staaten haben den Umgang mit der Leiche weniger streng geregelt. Insbesondere in osteuropäischen Ländern wie Ungarn, Tschechien oder Lettland gilt meist die Widerspruchslösung: Wer der Gewebeentnahme zu Lebzeiten nicht widerspricht, dessen Zustimmung wird vorausgesetzt.

 

O-Ton Brigitte Tag:

Es kann natürlich sein, dass deswegen der Anreiz besteht auf andere Länder zuzugreifen, in denen die Rechtslage noch nicht so sehr ausformuliert ist, und das führt natürlich dann doch auch vielleicht zu Exporten und Importen, die wir heute aus unserer Rechtswarte und aus unserer ethischen Bewertung als kritisch betrachten, weil die Gewebegewinnung in den anderen Ländern unseren ethischen rechtlichen Maßstäben nicht vollständig entspricht.

 

Sprecherin:

Als Inara Kovalevska aus Riga erfuhr, dass ihr Mann Gunnars entbeint worden war, fühlte sie sich, als wäre sie selbst beraubt worden. Sie wünschte, dass die Verantwortlichen vor Gericht zur Rechenschaft gezogen würden, doch die lettische Sicherheitspolizei hat ihre Ermittlungen eingestellt. Zusammen mit einer anderen betroffenen Angehörigen erstattete Inara auch in Deutschland Anzeige gegen unbekannt. Ende 2006 erhielt sie Antwort. Die Staatsanwaltschaft Bamberg teilte mit Schreiben vom 7.12.2006 mit, von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens sei abzusehen. Nach einem Bericht der lettischen Sicherheitspolizei hätten sich keine hinreichenden Anhaltspunkte ergeben. Den verantwortlichen Personen der Firma Tutogen Medical könne ein strafbares Verhalten nicht zur Last gelegt werden. Dem Zentrum für Rechtsmedizin in Riga sei kein gewerbsmäßiger Handel vorzuwerfen.

Seit 2003 bezieht die Firma Tutogen Medical kein Gewebe mehr aus Lettland. Rund die Hälfte ihres Rohmaterials importierte sie seither aus anderen osteuropäischen Ländern. In Deutschland bekommt sie Gewebe vom Rechtsmedizinischen Zentrum der Universitätsklinik Frankfurt.

Im Sektionssaal des Rechtsmedizinischen Instituts der Universitätsklinik Hamburg ist die Explantation der 90-Jährigen beendet.

 

Atmo Sektionssaal

 

O-Ton Christian Braun:

Wir haben entnommen: einmal die Oberarmknochen links und rechts, einmal die Oberschenkelknochen, das Schienbein, diesen Kalkaneus mit einem Stück Achillessehne dran und jeweils ein Stück Beckenkamm, das ist das, was wir bei dieser Dame jetzt entnommen haben, genau.

 

Sprecherin:

Christian Braun, der Rechtsmediziner, hat seine Arbeit getan. Nun werden die entnommenen Knochen verpackt: erst in eine Plastiktüte, dann in einen Strumpf, um die Knochen zu polstern, dann wieder in eine Plastiktüte. Jede Hülle wird mit einem Etikett versehen, auf das die Spenderkennung und die Bezeichnung des Knochens geschrieben werden. Unterdessen macht sich der Präparator Jürgen Brillinger daran, den Leichnam der 90-jährigen Frau für die Bestattung herzurichten.

 

O-Ton Jürgen Brillinger:

Da mach ich jetzt ein Stück Holz rein, polster das noch ein bisschen aus mit Zellstoff und dann vernäh ich das vernünftig, dass man die Dame dann auch dem Bestatter übergeben kann, und dann wird sie anschließend, wenn sie fertig ist, dann wird sie auch noch mal gewaschen, dass soweit keine Blutrückstände mehr vorhanden sind, denn es besteht ja immer noch die Möglichkeit, dass die Dame von den Angehörigen noch mal besichtigt wird, und desto sauberer die Dame übergeben wird, desto besser.

 

 

 

* * * * *

Insassen dieses PKW`s sind:

 

weder

Organ - Spender

noch  

  

Organ - Empfänger

 

Rufen Sie nach einem Unfall einen kath. Priester

 

aber bitte

 

kein    EXPLANTATIONS-TEAM  !!!

 

Organspender sterben endgültig an der Organ - Entnahme.

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